Brüder an Brüder

Kleidung

In der sogenannten Torah-Bewegung hört man immer wieder das Thema “Kleidung und Sittsamkeit”. Aber meist nur in Verbindung mit unseren Schwestern: “Schwester A sollte das nicht tragen, Schwester B jenes nicht. Hat man Schwester C nicht gesagt, dass das ein Anstoß ist?!” usw. usf.

Aber was ist mit uns? Was ist mit unserer Kleidung?
“Hat man zum Beispiel Bruder A schon mal gesagt, dass sein Oberteil körperbetont ist? Bruder B schon mal, dass er seine Arme präsentiert? Oder Bruder C, dass in der Jeans sein Hinterteil ein Blickfang und Anstoß für unsere Schwestern sein könnte?”

In anderen Worten:

blankblankBevor wir den Splitter in den Augen unserer Schwestern suchen, sollten wir zuerst unseren Balken entfernen.

Denn Fakt ist, dass uns allen (Mann wie Frau) durch die Welt eine bestimmte Art von Kleidung als modisch, schick und schön vorgegeben wird. Diese ist – logischerweise muss man sagen – oft Haut zeigend und körperbetont. Warum? Weil der Zeitgeist dieser Welt freizügig, unsittlich und oberflächlich ist. Und genau so soll auch der Mensch sein: freizügig, unsittlich und oberflächlich. So oberflächlich, dass das Äußere eine enorm wichtige Rolle im Leben eines jeden spielen soll: “Wie sehe ich aus? Bin ich zu dick, zu dünn? Was sollte ich tragen? Wie komme ich an? Was denken andere über mich?”
Diese und ähnliche Fragen und Gedanken führen dann ganz automatisch dazu, dass der Mensch seinen Selbstwert von Kleidung und Aussehen abhängig macht und sich ständig den Kopf darüber zerbricht, wie er denn aussieht.

In anderen Worten:

Gott sagt, ändere dein Innerstes, denn darauf kommt es an.
Die Welt sagt, ändere dein Äußeres, denn nur darum gehts:
Gut auszusehen und bei den anderen gut anzukommen.

Diese, ja man muss schon sagen, teuflische Programmierung führt dann dazu, dass die meisten sich unattraktiv fühlen. Wenn man sich dann noch sittsam kleiden will, verstärkt sich das Ganze.
Ein Problem, dass bei unseren Schwestern viel, viel größer ist als bei uns. Denn für uns ist es nicht ansatzweise so schwer wie für unsere Schwestern, halbwegs vernünftige Kleidung zu finden, die sittsam ist und gleichzeitig nicht in dem Sinne auffällt, dass wir uns von jedermann beobachtet fühlen: einfach weite Hose, weites Oberteil und fertig.

Für unsere Schwestern sieht das ganz anders aus. Schon allein mit einem Rock herumzulaufen, kann für die eine oder andere Schwester eine nicht gerade kleine Hürde darstellen. Von einem gefüllten Kleiderschrank mit sittsamer, Gott wohlgefälliger Kleidung, in der man sich nicht nur wohlfühlt, wenn man zur Gemeinschaft geht, sondern auch “draußen” wohlfühlt, ganz zu schweigen.

Da haben wir es wie gesagt um einiges einfacher. Uns guckt niemand wegen Shirt und Hose schief an. Das ist eine Tatsache, die wir nicht außer Acht lassen dürfen. Auch wenn es einige Schwestern gibt, die mit dem Thema kein so großes Problem haben, kann man verallgemeinernd sagen: Unsere Schwestern haben einen viel größeren Kampf zu kämpfen als wir. Das sollten wir stets vor Augen haben und mehr Sensibilität mitbringen.

Und wenn wir bei dem Thema “immer sensibler zu werden” sind, dann müssen wir auch dafür sensibler werden, welche Reize wir als Männer aussenden. Und zwar viel sensibler! Denn die Welt hat uns auch hier völlig abgestumpft: Was in ihr als sittsam gilt, kann in den Augen Gottes halbnackt und anstößig sein. In anderen Worten: Der Sauerteig der Welt programmiert uns dazu und desensibilisiert uns in einer Weise, dass das Zeigen von Haut und Körperformen als absolut normal gilt.

blankblankDiese Programmierung und Desensibilisierung,
sprich diesen Sauerteig, müssen wir unbedingt loswerden!

Und was hilft uns dabei, von den Irrungen und Verwirrungen der Welt loszukommen? Genau, das Wort Gottes. Da es da leider keinen vergleichbaren Vers für uns Männer gibt, nehmen wir diesen hier, den wir schon im letzten Teil hatten (wir werden gleich genau darauf eingehen, warum auch wir als Männer von Paulus seiner Weisung lernen können):

1Tim 2,9 Ebenso auch, dass die Frauen sich in bescheidenem Äußeren mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit schmücken, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarer Kleidung.

Man stelle diesen Vers mal in einen Direktvergleich zu dem, was heute so getragen wird. Hier sind Gold und Perlen schon zu viel, von irgendeiner körperbetonten Kleidung ganz zu schweigen. In der Welt würde man aber sagen: “Wo zum Geier liegt das Problem? Was bitteschön soll an Gold und Perlen so schlimm sein?”, aber wie gesagt: Was die Welt sagt, denkt, tut, ist nicht unser Problem und schon gar nicht der Maßstab für unseren Wandel.

Anstatt also diese und ähnliche Gedanken mit den Meinungen und Ansichten in der Welt zu vergleichen, sollten wir uns lieber Gedanken machen, was wir von dieser Stelle lernen können. Auch wir Männer.

Tun wir das nicht und betrachten die Stelle mit der Brille der Welt, werden wir nie verstehen, warum die in dem Vers genannten Dinge ein Problem darstellen. Auf diese Weise wird uns das immer als radikal und völlig überzogen vorkommen. Wir werden den Vers und all die anderen Verse zu diesem Thema nicht verstehen oder einfach beiseite schieben und als: “Das war damals so. Heute ist das alles ganz anders.” abtun.

Wenn wir die Worte Paulus aber ernst nehmen, dann können wir aus ihnen auch lernen. Denn seine Wortwahl bescheidenem Äußeren mit dem, was er danach schreibt, gibt uns Aufschluss darüber, worum es ihm im Kern geht: Es geht ihm um ein zurückhaltendes, unauffälliges Äußeres. Daher übersetzen andere Bibeln das “bescheidene Äußere, die Schamhaftigkeit und Sittsamkeit” auch wie folgt:

Und ich möchte, dass die Frauen in ihrer Erscheinung Zurückhaltung üben, indem sie sich anständig kleiden und nicht durch ihre Frisur oder durch Gold, Perlen oder kostbare Kleider die Aufmerksamkeit auf sich lenken.

Wenn es also um Zurückhaltung geht, und dass man die Aufmerksamkeit nicht unnötig auf sich lenkt, dann kann man diese Aufforderung – und das ist ganz besonders wichtig in diesem Zusammenhang! – zeit- und geschlechtsunabhängig auch auf uns anwenden!

Das heißt: Wenn wir dieser göttlichen Weisung als Männer folgen wollen, sollte auch unsere Kleidung zurückhaltend sein und keine Aufmerksamkeit auf sich lenken. Denn logischerweise (!) haben auch unsere Schwestern mit ihrem Fleisch zu kämpfen. Auch sie checken bewusst/unbewusst unseren Körper ab. Auch sie gucken, wie wir gebaut sind. Die eine Schwester mehr, die andere weniger.

Wir würden auch nicht wollen, dass unsere Schwestern in der Gemeinschaft alle mit einer Hose zur Versammlung kommen (egal ob jetzt eng oder nicht), wo wir ihre Hintern ständig vor uns haben. Warum würden wir das nicht wollen? Weil wir dann einem Reiz ausgesetzt wären. Und nach dem göttlich-genialen Prinzip gilt:

Mt 7,12 Alles nun, was irgend ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihr ihnen ebenso! Denn dies ist das Gesetz und die Propheten.

Das heißt: Wenn wir nicht wollen, dass unsere Schwestern mit engen Hosen und Oberteilen in die Gemeinschaft kommen, dann dürfen wir das ebenso nicht tun. Und wenn wir wollen, dass unsere Schwestern sich sittsam kleiden, dann müssen wir das ebenso tun. Denn dies ist das Gesetz und die Propheten.

“Aber was ist an Kleidung noch OK und was nicht? Was ist sittsam und was nicht?”

Das lässt sich natürlich nicht auf einen Punkt herunterbrechen, da jeder ein anderes Verständnis darüber hat. Ein anschauliches Beispiel dazu: Männer in Shorts.
Ist es OK, wenn Brüder in Shorts zur Versammlung kommen? Der eine wird sagen: “Klar, wo liegt das Problem?!”, der nächste wird sagen: “Nein, das sollten sie nicht!”, wiederum andere werden sagen: “Kommt drauf an, wie lang die Shorts sind.”
Bleiben wir mal bei der Länge der Shorts. Wie lang wäre lang genug? Unter den Knien? Über den Knien? Beides OK? Wenn beides gehen würde, wie sieht es dann damit aus, wenn die Shorts nur bis zur Mitte des Oberschenkels gehen? Wäre das auch OK? Wenn nicht, warum nicht? Wieso geht es bis zu den Knien, aber bis zur Mitte des Oberschenkels nicht? Und wenn jemand sagen würde, dass auch bis zur Mitte des Oberschenkels es OK ist, ist es dann auch in Ordnung, dass bei den Shorts der ganze Oberschenkel zu sehen ist? Oder wäre das dann die Länge, die dann doch zu kurz ist? Und wenn ja, warum erst dann? Warum ist es bis zur Mitte des Oberschenkels noch OK, aber ein paar Zentimeter kürzer dann nicht mehr? Wer bestimmt das?

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Dasselbe könnte man mit der Ärmellänge machen: Nur Langärmliges oder sind T-Shirts OK? Wenn OK, nur dann, wenn Ärmel bis zum Ellenbogen gehen oder darf man auch ruhig den Bizeps sehen? Und wenn man den Bizeps sehen darf, geht es dann auch, dass man die Schultern sehen kann? Oder sogar auch ein Achselshirt trägt? Wenn das eine geht, warum das andere nicht? Und auch hier wäre am Ende wieder die Frage: Wer bestimmt das?

Man erkennt schnell, dass eine genaue Definition nicht möglich ist bzw. stark im Auge des Betrachters liegt. Man erkennt hoffentlich auch, dass schon wenige Zentimeter einen riesigen Unterschied machen können. Jemand, der sagt, dass Shorts und T-Shirts OK sind, würde dann aber vielleicht “durchdrehen”, wenn sein Bruder in oberschenkelfreien Shorts und Achselshirt zur heiligen Versammlung kommt.
Und genauso wie wenige Zentimeter in der Länge unserer Kleidung einen großen Unterschied machen können, sind es auch wenige Zentimeter, die im Umfang unserer Kleidung eine maßgebliche Rolle dabei spielen, ob wir zurückhaltend und unauffällig in unserer Erscheinung sind oder ob wir die Aufmerksamkeit auf uns lenken.

Ein anschauliches Beispiel dazu:

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Was denkt ihr Brüder?

Lenkt ein und derselbe Mann in seinem linken Outfit mehr Aufmerksamkeit auf sich oder in seinem rechten? Offensichtlich lenkt das links mehr Aufmerksamkeit auf sich.

Auch hier direkt wieder ein Einwand, der immer wieder mal vorkommt: “Aber ich kann nichts dafür, dass ich so gebaut bin!”

Ja, das mag durchaus sein. Soll heißen, dass allgemein gesagt gut aussehende Männer natürlich per se mehr Aufmerksamkeit auf sich lenken. Logo. Aber darum geht es hier nicht, sondern es geht darum, ob ein Bruder sein männliches Äußeres noch zusätzlich unterstreicht und so obendrein noch mehr Aufmerksamkeit auf sich lenkt, indem er zum Beispiel körperbetonte Kleidung trägt.

Ganz unabhängig von einer genauen Beschreibung von Schönheit, Sittsamkeit, was Aufmerksamkeit auf sich lenkt und was nicht, kann man ganz allgemein zu diesem Thema – anhand dessen, wie Gott uns geschaffen hat – Folgendes sagen:
Die Frau als auch der Mann, so wie sie von Gott geschaffen worden sind, haben typische, geschlechtsspezifische Körperformen. Kann man diese erkennen, wirkt das anziehend auf das jeweilige andere Geschlecht. Es ist in dem Fall also so, dass das, was wir als attraktiv empfinden, keine Prägung der Welt an sich, sondern einfach nur die Tatsache dessen ist, wie unterschiedlich unser Gott Mann und Frau geschaffen hat. Er hat ihnen geschlechtsspezifische Besonderheiten in ihrem Körperbau gegeben. Daher empfinden wir typisch männliche bzw. weibliche Formen als schön und anziehend. Natürlich sind Geschmäcker unterschiedlich, aber verallgemeinert kann man das sicherlich so stehen lassen.

Und jetzt kommt der Punkt, auf den wir uns sicherlich alle (unabhängig von Geschmack oder einer genauen Definition von dem, was sittsam ist und was nicht) einigen können:

blankblankJede Kleidung, die diese geschlechtsspezifischen Merkmale hervorhebt oder betont, ist nicht zurückhaltend, sondern lenkt die Aufmerksamkeit auf sich.

Nehmen wir das Hemd. Wir können normal geschnittene “Regular”-Hemden tragen oder eben die schickere Slim-Fit-Variante, die tailliert geschnitten ist. Wir können das Hemd in die Hose stecken oder nicht: 

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Wo ist der Unterschied?
Man sieht es: Die für das Geschlecht typische Körperform wird hervorgehoben. Das Verhältnis von Schultern zur Hüfte wird betont, die Schultern und das sog. Kreuz kommen viel mehr zur Geltung und das wiederum wirkt anziehend für das weibliche Geschlecht. Wenn dann noch das Hemd in die Hose gesteckt wird, dann wird alles noch mehr verstärkt.

Jetzt könnte jemand einwenden: “Was ist denn das Problem, wenn ich mein Hemd in die Hose stecke?”

Das Problem ist, dass auch unsere Schwestern mit ihrem Fleisch zu kämpfen haben. Soll in diesem Zusammenhang heißen: Wenn du dein Hemd in die Hose steckst, sieht das vielleicht schicker aus, gleichzeitig passiert aber Folgendes (und das mache dir bitte bewusst!): Nicht nur du guckst auf den Hintern von Frauen, auch Frauen gucken auf die Hintern von Männern. Das ist nun einmal so. Und somit gibst du unseren Schwestern einen Anstoß!

… 

Wichtig ist, dass es hier nicht darum geht, dass diese Dinge nur für Männer gelten, die ins Fitness-Studio gehen und einen guten Körper haben. Geschmäcker sind bekanntlich unterschiedlich. Die eine Frau mag eher dünnere Männer, die andere eher stämmige, die nächste trainierte usw. So wie bei uns manche eher eine schlanke, andere eher eine kurvenreiche Frau, wiederum andere einen ganz anderen Körperbau mögen. Hierbei geht es also nicht um persönliche Schönheitsvorstellungen, sondern eben darum, dass wir nicht unnötig Reize aussenden! Die unter anderem hierzu führen können:

Mt 18,7 Wehe der Welt wegen der Anstöße zur Sünde! Denn es ist zwar notwendig, dass die Anstöße zur Sünde kommen, aber wehe jenem Menschen, durch den der Anstoß zur Sünde kommt!

Uns ist klar, dass dies ein sensibles und kontrovers debattiertes Thema ist. So technisch es im Grunde auch ist (wenn man von Längen und Breiten verschiedener Kleidungsstücke redet), so emotional ist es auch. Unter anderem, weil es eben auch unseren Selbstwert tangiert. Teilweise nicht nur tangiert, sondern bei dem einen oder anderen sogar so weit geht, dass diese Dinge den Selbstwert mitbestimmen. Das Äußere ist dann in diesem Fall nicht nur etwas Oberflächliches, sondern (auch wenn es das Wort so nicht gibt) etwas sehr “Innerflächliches”. Und damit geht dann eben jeder anders um. Vor allem emotional anders um.

Daher benötigt es bei diesem Thema weniger Debatten darüber, wie körperbetont etwas ist oder nicht, sondern vielmehr braucht es Verständnis, Geduld und vor allem Einfühlsamkeit. Es ist ein Prozess, der bei jedem anders und unterschiedlich lang abläuft.

Ziel für uns alle muss dabei aber sein, dass wir den göttlichen Vorgaben Folge leisten! Egal was, wo und wie wir das Ganze sehen, woher wir kommen, was wir in der Vergangenheit erlebt haben, wie stark wir von der Welt geprägt worden sind und und und. All das spielt natürlich eine Rolle, aber am Ende geht es eben nur darum: Was sagt Gott zu diesem Thema? Was lesen wir darüber in der Heiligen Schrift?

Und das, was wir da lesen, dürfen wir nicht abschwächen oder gar beiseite schieben, sondern wir müssen uns durch das Wort Gottes verändern, ja sogar verwandeln lassen: Weg von den Vorstellungen der Welt, die sich in uns eingebrannt haben, hin zu dem Willen Gottes, sodass wir prüfen können, wie unser Vater uns als seine Söhne sehen will:

Röm 12,2 Seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.