Mt 5,19-Serie (2Mo 21,1-24,18) – Das perfekte Rechtssystem Gottes

Die drei (oder mehr) Arten, ein Gebot Gottes zu verstehen.

Wie wir zuvor in einem Vers dieser Lesung lernen durften, dienen die Gebote dazu, dass wir durch sie unterwiesen werden:

2Mo 24,12 Und der HERR sprach zu Mose: Steige zu mir herauf auf den Berg und bleibe dort, so will ich dir die steinernen Tafeln geben und das Gesetz und das Gebot, das ich geschrieben habe, um sie zu unterweisen! [SLT]

Was bedeutet es, sein Gesetz nicht nur als eine auf den Buchstaben begrenzte Schrift zu verstehen, sondern als eine göttliche Weisung?
Um diese Frage zu beantworten, gibt es sicherlich mehrere Ansätze. An dieser Stelle möchten wir eine Methode vorschlagen, die jedes Gebot in drei Fragen aufteilt:

1. Was sagt der Buchstabe allein aus?
(+ weitere Kontrollfrage dazu: Ist das Gebot wortwörtlich oder bildhaft gemeint?)
2. Hat das Gebot eine übertragbare Bedeutung?
3. Wie kann ich das Gebot geistlich verstehen und anwenden (denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist… Röm 7,14)?

Zu diesen drei Fragen möchten wir jeweils kurz und knapp ein paar Beispiele aus der Heiligen Schrift nennen, die die Vorgehensweise besser veranschaulichen.

Die erste Frage kann eigentlich immer zusammen mit der Kontrollfrage auf den jeweiligen Vers angewandt werden; sprich man kann sich direkt fragen: Kann ich das Gebot so verstehen, wie es dasteht oder ist das Gebot bildhaft gemeint? Zum besseren Verständnis ein kurzes Beispiel dazu:

5Mo 11,18 Und ihr sollt diese meine Worte auf euer Herz und auf eure Seele legen und sie zum Zeichen auf eure Hand binden, und sie sollen zu Stirnbändern zwischen euren Augen sein. [CSV]

Dieser Vers eignet sich aus mehreren Gründen perfekt zur Veranschaulichung; u.a. deswegen, weil man es vielleicht bereits gesehen hat, dass sich unsere jüdischen Brüder etwas an ihre Hand binden und auch etwas auf ihrer Stirn tragen. Die Frage, die man sich nun stellen darf, ist: Wie sieht es dann damit aus, dass man sich die Worte auf sein Herz und seine Seele legen soll? Wie macht man das wortwörtlich? Oder ist vielleicht alles in diesem Vers bildhaft gemeint und spricht eher davon, dass unsere Gedanken, unsere Taten, unser Innerstes – einfach alles, was uns ausmacht – mit dem Wort Gottes im Einklang sein soll?
Da wir zuvor dazu ermutigt hatten, sich mit anderen Brüdern und Schwestern über seine Gebote auszutauschen, soll die Frage hier unbeantwortet bleiben.

Noch kurz etwas Passendes zu diesem ersten Punkt: hebräische Redewendungen.
Nebst dem, das etwas innerhalb eines Verses bildhaft gemeint sein kann, gibt es auch Sprichwörter, die, wie der Name schon sagt, nicht wortwörtlich, sondern sprichwörtlich zu verstehen sind. Hierzu ein kurzes Beispiel:

1Mo 20,16 Aber zu Sarah sprach er: Siehe, ich habe deinem Bruder 1.000 Silberlinge gegeben; siehe, das soll dir eine Decke der Augen sein für alle, die um dich sind, damit du in jeder Weise gerechtfertigt bist! [SLT]

Natürlich ist hier nicht gemeint, dass wortwörtlich diese 1.000 Silberlinge als Decke auf die Augen gelegt werden, sondern, wie es z.B. die Elberfelder Übersetzung an dieser Stelle anmerkt, dass diese Redewendung eigentlich “Genugtuung” bedeutet; d.h. die 1.000 Silberlinge sollen eine Genugtuung oder Wiedergutmachung sein.

Abschließende Anmerkung zu den hebräischen Redewendungen:
Eigentlich kann man den Unterschied, ob etwas wortwörtlich gemeint ist oder nicht, meist sehr klar und deutlich erkennen. Ist man sich dennoch unsicher, kann eine kurze Recherche schnell Klarheit bringen.

Nun zur zweiten Frage: Hat das Gebot eine übertragbare Bedeutung?

Auch hierzu ein Beispiel, welches schnell verstehen lässt, was gemeint ist und gleichzeitig aufzeigt, wie das Gesetz nicht nur aus dem Buchstaben besteht, sondern eben eine Weisung ist, die uns generelle Prinzipien lehrt:

2Mo 23,4 Wenn du das Rind deines Feindes oder seinen Esel antriffst, der sich verlaufen hat, so sollst du ihm denselben auf jeden Fall wiederbringen. [SLT]

Wir nehmen mal an, dass es einen Bauern gibt, der ein starkes Pferd auf seinem Bauernhof benötigt und aktuell keins hat. Nun läuft ihm ein fremdes Pferd zu und er weiß auch, dass es das Pferd seines ungeliebten, aber doch etwas weiter weg wohnenden Nachbarn ist. Er denkt sich: “Na ja, das Gebot Gottes sagt ja “Rind oder Esel”; von einem Pferd steht da nichts. Ich behalte es einfach, merkt ja sowieso keiner.”

Wenn man es wie er kleinlich und genau nimmt, hat er recht. Der heilige Text sagt nichts von einem Pferd, sondern es ist nur die Rede von einem Rind und einem Esel. Weder an dieser noch an einer anderen Stelle steht etwas zu einem entlaufenen Pferd. Er hätte dem Buchstaben nach also recht. Versteht man das Gebot aber nicht als reinen Buchstaben, sondern als eine göttliche Weisung, die uns für alle Bereiche unseres Lebens unterweist, so wird man sofort verstehen, dass damit natürlich nicht nur das Rind und der Esel meines Feindes gemeint ist, sondern auch sein Pferd oder sein Hund oder auch seine Geldbörse, in der 500 Euro sind usw. usf.

Ist man damit einverstanden, dass man diesen Vers auf diese Weise verstehen und anwenden kann, dann kann man nun so auch mit anderen Geboten vorgehen und sie als Weisung verstehen und anwenden.

Um abschließend hierzu zumindest ein weiteres kurzes Beispiel zu nennen: Speisegebote. Versteht man die göttlichen Speisegebote nach dem Buchstaben allein, wird man die unreinen Tiere nicht essen und gut ist’s. Erkennt man diese Gebote aber als göttliche Weisung, dann versteht man, dass unser himmlischer Vater möchte, dass sich seine Kinder generell gesund ernähren und darauf achten, was sie als Nahrung zu sich nehmen.

blankAn dieser Stelle eine wichtige Warnung:
Wir müssen bei der Umsetzung dieses biblischen Prinzips sehr, sehr vorsichtig sein und unsere Schlussfolgerungen nicht anderen als unser persönliches Gesetz einprügeln, wie es manche tun. Nicht jeder Bruder, nicht jede Schwester versteht die Weisung hinter einem einzelnen Gebot auf dieselbe Weise. Es benötigt Zeit, es benötigt Lehre, es benötigt Austausch, es benötigt gesundes Wachstum in Wort und Geist und vieles mehr, ehe wir zu der Reife gelangen, die Gott in uns sehen möchte. Daher gilt es für uns alle, miteinander geduldig und verständnisvoll umzugehen, denn jeder von uns schreitet auf seinem individuellen Weg der Heiligung. Und meist befinden wir uns dabei an ganz unterschiedlichen Punkten.

Ein gutes Beispiel, wie rücksichtsvoll wir miteinander umgehen müssen, geben uns die Apostel vor. Im berühmten 15. Kapitel der Apostelgeschichte – dem Jerusalemer Konzil – entscheiden sie für die Gläubigen damals, als auch für uns heute:
Vier Dinge müssen wir sofort unterlassen und den Rest lernen wir, die wir ein Leben lang ohne Gesetz gelebt haben, nach und nach; denn es steht geschrieben:

Apg 15,19-21 Darum urteile ich, dass man denjenigen aus den Heiden, die sich zu Gott bekehren, keine Lasten auflegen soll, sondern ihnen nur schreiben soll, sich von der Verunreinigung durch die Götzen, von der Unzucht, vom Erstickten und vom Blut zu enthalten. Denn Mose hat von alten Zeiten her in jeder Stadt solche, die ihn verkündigen, da er in den Synagogen an jedem Sabbat vorgelesen wird. [SLT]

In anderen Worten: Diese vier hier genannten Dinge sind, sofort von uns zu unterlassen und den Rest lernen wir aus dem Gesetz, denn dieses wird Woche für Woche gemeinsam gelesen (natürlich können wir für uns daheim auch gerne Tag für Tag darin lesen – und darüber sinnen).

Nun die letzte, also dritte Frage: Wie kann ich das Gebot geistlich verstehen und anwenden?

Auch hier wieder direkt ein Beispiel zur Veranschaulichung, welches sicherlich vielen bekannt ist: Die Gleichsetzung von Hurerei oder Ehebruch mit Götzendienst.

Hes 23,37 Denn sie haben Ehebruch getrieben, und Blut ist an ihren Händen; ja, mit ihren Götzen haben sie Ehebruch getrieben, und für sie sogar ihre eigenen Kinder, die sie mir geboren haben, durchs Feuer gehen lassen, sodass sie verzehrt wurden! [SLT]

Hat man dieses Verständnis vor Augen, kann man sagen, dass das physische Verbot des Ehebruchs ein geistliches Abbild hat; nämlich, dass wir geistlichen Ehebruch begehen, wenn wir Gott untreu werden, indem wir anderen Göttern nachhuren, sprich den Götzen dienen.

Daher sollte es uns auch nicht wundern, dass auf diese Tat die Höchststrafe folgt – im physischen, die physische Höchststrafe und im geistlichen, die ewige Höchststrafe. Was nicht heißen soll, dass unsere physischen Taten keine geistlichen Folgen haben können – im Gegenteil. Um auch hier nur einen kurzen Belegvers zu nennen:

1Kor 6,9-10 Wisst ihr denn nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht: Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Weichlinge, noch Knabenschänder, weder Diebe noch Habsüchtige, noch Trunkenbolde, noch Lästerer, noch Räuber werden das Reich Gottes erben. [SLT]

Da diese dritte Frage anspruchsvoller ist, als die Fragen zuvor, vielleicht kurz noch ein Beispiel aus dieser Portion, wie man es verstehen kann, dass das Gesetz, wie es Röm 7,14 besagt, geistlich ist:

2Mo 21,5-6 Wenn aber der Knecht etwa sagt: Ich liebe meinen Herrn, meine Frau und meine Kinder, ich will nicht frei ausgehen, so soll sein Herr ihn vor die Richter bringen und ihn an die Tür oder an den Pfosten stellen, und sein Herr soll ihm das Ohr mit einem Pfriem durchbohren; und er soll ihm dienen auf ewig. [CSV]

Bei Worten wie “Knecht“, “ich liebe meinen Herrn” und “ihm dienen auf ewig” fällt es sicherlich nicht allzu schwer, die geistliche Anwendung dieses Gebots zu verstehen. Erst recht, wenn man sich vor Augen führt, dass die Formulierung “er soll ihm dienen auf ewig” und nicht “er soll ihm bis zu seinem Tod dienen” heißt. Was im Zusammenhang eines leiblichen Knechtes für einen leiblichen Herrn viel passender wäre. Nun eine Stelle zu diesem ewigen Dienst als Knechte aus dem NT:

Offb 22,3-4 Und keinerlei Fluch wird mehr sein; und der Thron Gottes und des Lammes wird in ihr sein; und seine Knechte werden ihm dienen; [CSV]

blankWie beim Punkt zuvor auch, müssen wir an dieser Stelle ebenfalls vor einer Sache warnen:
Da wir alle relativ frisch im Glauben sind, gilt es auch hier, vorsichtig mit der sog. “Vergeistlichung” biblischer Inhalte zu sein. Denn schnell können auf diese Weise wilde bzw. verwirrende Interpretationen als Ergebnis herauskommen.
Ein Beispiel hierfür wäre, das Physische zu vergeistlichen und dann das geistliche Ergebnis daraus wieder zurück auf das Physische anzuwenden. Auch hierzu ein kurzes Beispiel:

In Christus sind wir Priester nach der Weise Melchizedeks. Nun lesen wir in seinem Gesetz nur wenig über diese Weise, als Priester zu dienen, aber sehr viel über die levitische bzw. aaronitische Priesterschaft. Durch diese levitische Weise können wir aber dennoch viel für unser Glaubensleben als sog. “geistliche Priester” lernen. Sehr viel sogar. Um nur eine ganz schnelle Parallele zu nennen: Die Opfer bzw. das Räuchern auf dem Räucheraltar. Diese können für unsere Gebete stehen:

Offb 5,8 Und als es das Buch nahm, fielen die vier lebendigen Wesen und die 24 Ältesten vor dem Lamm nieder, und sie hatten jeder eine Harfe und eine goldene Schale voll Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen. [SLT]

Hier wird uns ein ganz klares geistliches Bild und eine Parallele aufgezeigt. Hat man das erkannt und wendet nun dieses Verständnis auf das Aaronitische an und bringt es dann aber wieder zurück ins Physische, dann gibt es Probleme. Zum besseren Verständnis auch hierzu ein kleines Beispiel: Beim Opfern bzw. bei ihrem Dienst tragen die Priester eine ganz spezielle Kleidung, die ihnen der Allmächtige vorgegeben hat. Heißt das jetzt für uns, dass wenn das Opfern oder das Räuchern mit unseren Gebeten verbunden ist, dass wir bei den Gebeten auch diese Kleidung tragen müssen? Natürlich nicht!
Oder anders und allgemeiner gefragt: Weil wir jetzt auch Priester in Christus sind und wir geistliche Anwendungen aus dem levitischen Priesterdienst für uns lernen dürfen, heißt das dann auch, dass wir die physischen Gebote, die die Priester betreffen, halten müssen? Müssen wir jetzt mit leinernen Gewändern herumlaufen und Beinkleider tragen oder sonstige physische Gebote der Priester halten? Natürlich nicht!

Dies wäre nur ein kurzes Beispiel, wie das Ergebnis einer biblisch korrekten Vergeistlichung eines physischen Vorgangs (in dem Fall das Opfern bzw. Räuchern für unsere Gebete) in seinem Rückschluss zurück vom Geistlichen aufs Physische massive Probleme mit sich bringt. Aber leider wird dieser falsche Rückschluss oft gelehrt.

Daher, wie wir es auch für unsere Inhalte immer und immer wieder sagen, …

1Thes 5,21 Prüft alles, das Gute behaltet! [SLT]

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