Glossar – Buße & Taufe

Vergeben

Wir haben gesehen, dass uns zu Fehlern stehen schwer fällt. Wie sieht es mit dem Vergeben aus?

Hierzu ein Beispiel mit drei Möglichkeiten: Was denken wir darüber, wenn jemand riesigen Mist gebaut hat und sich nicht bei uns entschuldigt?

1.) Selbst wenn der jemand sich von Herzen entschuldigen würde, würden wir nicht vergeben können, weil die Tat so schrecklich oder die Verletzung so groß für uns ist, dass wir nicht vergeben wollen.

2.) Wir vergeben, nachdem man sich entschuldigt hat, aber tragen die Erinnerung noch mit uns herum oder halten sie der Person noch weiter vor und bringen sie immer wieder in Gesprächen auf den Tisch.

3.) Wir haben bereits vergeben, haben keinerlei Groll im Herzen und sind im Frieden mit dieser Person – auch ohne Entschuldigung. Dennoch wissen wir, dass eine Entschuldigung wichtig wäre, weil die Person sonst den eigenen Fehler nicht verstanden hat und vermutlich wiederholen wird. Die Person könnte, je nach Tat, sogar eine Gefahr für sich oder andere sein. Bei dem Wort “Gefahr” sollten wir nicht zwingend an Gewalt denken, sondern v.a. an emotionale Verletzungen, die wir anderen zufügen, die manchmal ein Leben lang nicht heilen können. Eine Entschuldigung und ein Zugeständnis sind in allen Fällen absolut wichtig für jeden von uns.

Welche Option der dreien ist nun die beste?

Wir wissen alle, dass die 3.) Option diejenige ist, die wir alle anstreben sollten, auch wenn wir es vielleicht oft nicht schaffen; u.a. deswegen nicht, weil wir unser Herz nur schwer von Vorwürfen befreien können.

Aber Gott kann immer vergeben. Jedem Menschen. Bei jedem noch so großen Fehler. Und: Er kann uns dabei helfen, dass auch wir allen alles vergeben!

Denn er möchte nicht, dass seine Kinder mit Groll und Bitterkeit in ihren Herzen leben. Er möchte, dass wir alle die Kraft der Vergebung erfahren, denn sie ist mit das schönste und kraftvollste Wunder in unserem Leben. Sie befreit uns von diesem emotionalen Gefängnis der Unversöhnbarkeit, Groll und Bitterkeit.

Das einzige aber, was Gott nicht tun wird, ist, uns dazu zu zwingen. Das ist einzig und allein unsere freie Willensentscheidung.

Wir alle sollten dabei eines verstehen und verinnerlichen: Er wartet mit offenen Armen auf uns. Er hat uns bereits vergeben. Und als Beweis gab er seinen einzigen Sohn dahin, dass wir wirklich daran glauben können, dass er alles über uns weiß und uns dennoch alles vergibt. Alles, was wir tun müssen, ist daran zu glauben und diese Gnade anzunehmen.

Und mit dieser Gnade wird uns nicht nur vergeben, sondern uns wird mit ihr “paradoxerweise” auch noch alles geschenkt – wenn wir von Herzen zu ihm umkehren und ihn lieben:

1Kor 2,9 Aber es ist passiert, wie es in der Schrift heißt: »Kein Auge hat je gesehen, kein Ohr je gehört und kein Verstand je erdacht, was Gott für diejenigen bereithält, die ihn lieben«. [NLB]

Wir können uns nicht vorstellen, was die Ewigkeit für uns bereithält – nicht einmal ansatzweise. Alles, was wir tun können, ist, zu glauben, dass dieses Angebot der Versöhnung uns durch seinen Sohn geschenkt wurde. Die Betonung liegt auf “wurde” und nicht “wird”. Das Geschenk liegt für uns bereit. Wir müssen lediglich daran glauben und zu unseren Fehlern stehen – und zwar aufrichtig – d.h. in der Umsetzung kein bloßes Lippenbekenntnis, sondern ein in der Herzenssprache formulierter Schrei nach Vergebung und Versöhnung.