1Mo 41,1-44,17 – Josefs Masterplan

1. Mose 42

In diesem Kapitel wird unser Blick wieder zurück nach Kanaan zu Jakob und seinen elf Söhnen gelenkt. Wir lesen dazu den Beginn des Kapitels bis zur Hälfte des neunten Verses:

1 Jakob erfuhr, dass es in Ägypten Getreide zu kaufen gab. »Warum zögert ihr noch?«, fragte er seine Söhne.
2 »In Ägypten gibt es Getreide zu kaufen! Los, beeilt euch und besorgt etwas, bevor wir verhungern!«
3 Josefs zehn Brüder machten sich auf den Weg;
4 nur sein jüngster Bruder Benjamin blieb zu Hause, weil Jakob befürchtete, ihm könnte etwas zustoßen.
5 Zusammen mit vielen anderen zogen sie nach Ägypten, denn in ganz Kanaan war die Hungersnot.
6 Als Stellvertreter des Pharaos war Josef dafür verantwortlich, die Abgabe des Getreides an die herbeiströmenden Menschen zu überwachen. Als seine Brüder vor ihn traten, verbeugten sie sich tief.
7-8 Josef erkannte sie sofort, ließ sich aber nichts anmerken. »Woher kommt ihr?«, fuhr er sie an. »Aus Kanaan, um Getreide zu kaufen«, gaben sie ahnungslos zur Antwort.
9 Da musste Josef sich an seine Träume von damals erinnern. …

Wisst ihr noch, was Josef geträumt hatte? Josef hatte in seinem Traum gesehen, wie seine Brüder sich vor ihm verneigten. Hier, 13 Jahre später, verstand Josef, dass Gott alles so gefügt hatte, dass sich die Träume von damals jetzt vor seinen Augen erfüllten.

Stellt euch das bitte noch einmal kurz vor:
Die zehn Brüder dachten, dass Josef entweder tot oder sonst irgendwo auf der Welt war. Aber sicherlich dachten sie nicht daran, dass wenn sie nach Ägypten gehen würden, der zweitmächtigste Mann dort Josef sein könnte. Nach dreizehn Jahren standen sie aber nun vor ihm: seine Brüder, die ihn hassten, ihn ermorden wollten und schlussendlich an Fremde verkauft hatten. Das muss schon heftig gewesen sein, oder? Und dann verbeugten sie sich auch noch vor ihm. Was muss da bei all dem durch Josefs Kopf gegangen sein? Schließlich erkannte er ja seine Brüder, sie ihn aber nicht. Schon ne heftige Situation, oder?

Eine Frage dazu an euch: Wie hättet ihr reagiert? Hättet ihr eure Machtposition ausgenutzt und ihnen einen reingedrückt oder hättet ihr ihnen vergeben? Wärt ihr auf eure Brüder noch sauer oder hätte sich alles bereits gelegt? Hättet ihr Rachegelüste gehabt? Denkt mal kurz darüber nach und redet dann mit euren Eltern. (Aufgaben-Karte)

Wir machen mal weiter und lesen den Vers 9 zu Ende. Dort sehen wir dann, wie Josef reagiert hatte: 

9 …»Ihr seid Spione!«, beschuldigte er sie. »Ihr seid nur gekommen, um zu erkunden, wo unser Land schwach ist!«

Wir sehen hier, wie Josef sie zu Unrecht beschuldigt. Dann in den nächsten Versen 10-17 lesen wir davon, wie er sie sogar für drei Tage ins Gefängnis sperren lässt.

Man könnte also sagen, dass er sich rächt, oder? Ja, so sieht es auf den ersten Blick aus. Aber ist das auch so? Lasst uns für die Antwort doch weiterlesen und herausfinden, was Josef wirklich vorhatte. Wir lesen dazu die Verse 18-20:

18 Am dritten Tag sagte er zu ihnen: »Ich bin ein Mann, der Ehrfurcht vor Gott hat. Darum lasse ich euch unter einer Bedingung am Leben:
19 Um eure Ehrlichkeit zu beweisen, bleibt einer von euch hier in Haft. Ihr anderen geht mit einer Ladung an Getreide zurück, damit eure Familien nicht mehr hungern müssen.
20 Aber bringt mir euren jüngsten Bruder herbei! Dann weiß ich, dass ihr die Wahrheit gesagt habt, und lasse euch am Leben.« Die Brüder willigten ein.

Findet Ihr immer noch, dass Josef aus Rache gehandelt hatte? Hätte er ihnen denn dann Nahrung für ihre Familien mitgegeben? Könnte es sein, dass Josef einen anderen Plan als einen Racheplan verfolgte?

Wir lesen einfach mal weiter:

21 Die Brüder sagten zueinander: »Jetzt müssen wir das ausbaden, was wir Josef angetan haben! Wir sahen seine Angst, als er uns um Gnade anflehte, aber wir haben nicht gehört.«
22 »Habe ich euch damals nicht gesagt, ihr solltet den Jungen in Ruhe lassen?«, warf Ruben den anderen vor. »Aber ihr habt nicht gehört. Jetzt müssen wir für seinen Tod büßen!«
23 Da Josef durch einen Dolmetscher mit ihnen redete, wussten sie nicht, dass er alles verstand, was sie sagten.

Findet ihr das nicht interessant, dass die Brüder auf einmal an Josef zurückdachten? Obwohl sie nicht wussten, dass es Josef war, sprachen sie über ihn und bekannten – quasi aus dem Nichts – ihre Sünde. Könnte es also sein, dass Josef genau das wollte und das sein eigentlicher Plan war?

Man weiß es nicht genau. Wir lesen mal den nächsten Vers und sehen weiter: 

24 Daraufhin verließ Josef den Raum, damit sie nicht merkten, dass er weinen musste. …

Josef musste also nach den Worten ihrer Brüder weinen. Ein Mann, der Rachegelüste hätte, würde das wahrscheinlich nicht tun. Weinen würde nur ein Mann, der seine Brüder noch liebt, oder?

Jetzt denkt der eine oder andere von euch vielleicht: “Aber er ließ seine Brüder doch ins Gefängnis werfen und beschuldigte sie, dass sie Spione der Feinde seien. Wenn Josef also einen Plan hatte, dann war dieser Plan aber auf jeden Fall ziemlich schwer zu durchschauen. Weil am Ende sieht alles irgendwie dennoch nach Rache aus!”

Wir möchten an dieser Stelle noch nicht näher auf diesen Einwand eingehen, sondern nur sagen: Josefs Plan war noch lange nicht fertig, sondern er hatte gerade erst begonnen.

Wichtig an dieser Stelle ist nur, dass wir verstehen, dass die Brüder erst einmal nur an ihre Sünde gedacht hatten, weil es ihnen im Gefängnis so schlecht ging und sie noch einmal zurück nach Ägypten kommen mussten. Sie mussten ja schließlich Simeon befreien. Und dann auch noch mit Benjamin zusammen zurückkommen, den ihr Vater Jakob ja absichtlich nicht mitgehen ließ. Das waren alles Riesenprobleme. Sie dachten also nicht an Josef und ihre abscheuliche Tat, weil sie jetzt nach ca. 20 Jahren plötzlich wie aus dem Nichts traurig darüber wurden, sondern sie waren traurig darüber, wie alles gelaufen war und was für Probleme sie jetzt hatten. Das war der eigentliche Grund, warum sie sich an Josef erinnerten.

Man kann sagen, dass es so ähnlich wie bei Esau war: Sie waren eigentlich nur  über die Umstände traurig, in denen sie nun waren. Sie waren aber nicht traurig über Josef und ihre Tat. Wir hatten euch zu dieser Art der “falschen Buße” eine Lehre für’s Herz-Karte gegeben, auf der stand:

Wenn wir wie Esau Fehler gemacht haben und traurig darüber sind, sollten wir uns prüfen und sehen, warum wir traurig sind. Sind wir traurig und blicken nur auf uns selbst und unsere Wünsche oder sind wir traurig, weil wir etwas gegenüber Gott und unseren Nächsten falsch getan haben?
Dazu ein Merksatz, den du zur Selbstprüfung nutzen kannst:

Die einen weinen für sich, die anderen weinen für Gott.

Aber die Brüder waren noch nicht so weit, dass sie wegen ihrer Sünde weinen sollten. Erst einmal waren sie wie gesagt nur traurig über die Situation, in die sie geraten waren. Und das alles, obwohl sie ja nur mal eben Getreide kaufen wollten. 

Lasst uns mal weiterschauen, was ab dem Vers 25 bis zum Ende des Kapitels noch so passiert. Dort lesen wir davon, wie die Brüder zurück zu ihrem Vater Jakob kehren und ihm alles berichten. Seine Reaktion auf das Ganze, was seinen Söhnen in Ägypten passiert ist, lesen wir dann in den letzten drei Versen des Kapitels:

36 »Ihr raubt mir meine Kinder!«, rief Jakob verzweifelt. »Josef lebt nicht mehr, Simeon ist zurückgeblieben, und Benjamin wollt ihr mir nun auch noch nehmen! Nichts bleibt mir erspart!«
37 Da griff Ruben ein: »Wenn ich dir Benjamin nicht zurückbringe, kannst du meine beiden Söhne töten«, sagte er. »Ich übernehme die Verantwortung!«
38 »Nein«, rief Jakob, »es kommt überhaupt nicht in Frage, dass Benjamin mit euch geht! Sein Bruder Josef ist schon tot, und er ist der letzte von Rahels Söhnen. Ich bin ein alter Mann, und wenn ihm unterwegs auch noch etwas zustößt, würdet ihr mich ins Grab bringen!«

So jetzt haben sie den Salat. Wie erwartet, will Jakob Benjamin nicht gehen lassen. Also was nun tun? Das lesen wir im nächsten Kapitel…