Welche Frage uns helfen kann: Können Vermutungen Sünde sein?
Unser Herr und Meister bringt uns in der sog. “Bergpredigt” bei, dass Sünde bereits im Herzen beginnt und dass wir keine bösen Gedanken und Worte gegenüber unserem Nächsten haben und aussprechen sollen. Außerdem bringt er uns bei, dass die Gebote seines Vaters – das Gesetz – keine starren Buchstaben sind, sondern eine lebendige Weisung, die unser Leben und unser Herz verändern soll – und es auch kann!
Auf unser Thema hier angewandt bedeutet das, dass es in Sachen “Vermutungen” Gebote im Gesetz Gottes gibt, die sich zwar nicht speziell darauf beziehen, aber eben als lebendige Weisung verstanden uns dabei helfen werden, vorsichtiger mit unserer sog. Menschenkenntnis und den damit verbundenen Vermutungen umzugehen:
5Mo 19,15 Ein einzelner Zeuge soll nicht gegen jemand auftreten wegen irgendeiner Ungerechtigkeit … auf zweier oder dreier Zeugen Aussage hin soll eine Sache bestätigt werden.
Wendet man dieses Gebot auf unser Thema an, bedeutet es, dass eine noch unklare Sache zuerst bestätigt werden muss, ehe eine einzelne Person es in Stein meißeln kann. Das heißt: Da es schon ein Problem ist, dass gewisse Dinge in unseren Herzen stattfinden (in dem Fall ein Urteil zu fällen), sollten wir umso vorsichtiger mit unseren Vermutungen sein, wenn diese nicht ausreichend bestätigt sind.

Schlussfolgerungen zu ziehen,
ohne klare Bestätigungen zu haben,
könnte fatale Folgen haben!
…
Ein weiteres Gebot, das uns dabei helfen kann, vorsichtiger mit unseren Vermutungen umzugehen, ist:
5Mo 16,19 Du sollst das Recht nicht beugen. Du sollst die Person nicht ansehen …
Erneut, wenn wir dieses Gebot bzw. genauer Verbot auf unser Thema anwenden, werden wir zur Vorsicht vor Vermutungen aufgerufen. Denn wir sollen “die Person nicht ansehen”, was in unserem Kontext bedeutet, dass wir unseren Nächsten nicht durch eine festgefahrene Brille sehen sollen. Denn auf diese Weise werden wir vielleicht “das Recht beugen”, indem wir fälschlicherweise etwas vermuten, was nicht stimmt.
Jetzt könnte der eine oder andere den Einwand haben:
“Sollen wir jetzt deswegen unsere ganze Erfahrung und Menschenkenntnis komplett über Bord werfen?”
Nein, natürlich nicht.
Wie gesagt: Menschenkenntnis ist etwas Gutes. Sogar sehr Gutes. Die Frage ist nur, wie wir damit umgehen. Wie sieht es in unserem Innersten, also unseren Herzen, aus, wenn wir eine Vermutung haben? Sind wir dabei von unserem Gegenüber genervt? Ist vielleicht generell unsere Beziehung zu dieser Person nicht im Reinen? Nehmen wir unsere Emotionen und unsere Einstellung gegenüber unseren Nächsten in vollem Umfang wahr, während wir diese oder jene Vermutung haben?
Diese und ähnliche Fragen können und werden uns dabei helfen, gesund mit unserer Menschenkenntnis umzugehen, sodass unsere Vermutungen keinen Fluch, sondern Segen bringen.
