Wenn wir bei anderen etwas vermuten

Wie Vermutungen Segen bringen können

Den ersten Teil des Segens haben wir soeben sehen können. Denn wenn wir bei diesem Thema aufmerksam sind und uns selbst und unsere Beziehungen zu unseren Nächsten prüfen, wird es uns etwas über uns selbst und eben meist auch etwas über unsere Beziehung zu unserem Nächsten aufzeigen. Erkennen wir dadurch dann einen Veränderungs- und Verbesserungsbedarf, dann können wir diesen konkret angehen und zum gottwohlgefälligeren verändern.
In anderen Worten: Wir können uns immer mehr vom alten, gefallenen Menschen zum neuen in Christus verwandeln und wir können in der Liebe zu unseren Nächsten wachsen.

Das Zweite, wie unsere Vermutungen Segen bringen können, ist, dass wir ganz konkret über sie reden. Das geht aber nur, wenn wir nicht mit Vorwürfen und in Anklage zu unserem Nächsten gehen, sondern in Sanftmut, Demut und dem Wunsch zu helfen.

Wie könnte so etwas konkret aussehen?

Zum Beispiel so:

⧫ Als erstes gehen wir zu unserem Nächsten hin und sprechen ihn an, indem wir unsere Vermutung als Frage formulieren.

⧫ Bejaht er die Vermutung, fragen wir ihn nach dem “Warum”. Also warum hat er/sie das gesagt oder getan?

⧫ Verneint die Person die Vermutung, haken wir nicht besserwisserisch, sondern demütig nach, um wirklich sicherzugehen, dass wir falsch liegen. Denn es könnte sein, dass die Person sich durch die Situation überrumpelt fühlt und aus dem Impuls heraus die Vermutung verneint; oder die Person scheut oder schämt sich generell bei dem Punkt, um den es geht. Daher braucht es so oder so bei all dem:
viel Fingerspitzengefühl.

⧫ Geht es bei der Vermutung, die verneint wird, um etwas Negatives kann man es nach dem Nachhaken sein lassen, außer man ist sich irgendwie sehr sicher. Dann macht es aber vielleicht Sinn, das Ganze erst einmal ruhen zu lassen und dann irgendwann später noch einmal darauf zurückzukommen (vielleicht wenn eine neue Situation entsteht, die in die Richtung der Vermutung geht, die man hat).

⧫ Geht es bei der Vermutung aber um etwas nicht per se “Negatives” (wie z.B., dass man sich Sorgen macht, weil derjenige so traurig wirkt oder man meint zu erkennen, dass die Person aktuell eine bestimmte Hilfe braucht), dann kann und sollte man seine Fürsorge bewusst ansprechen, indem man so etwas sagt, wie z.B.:
“Bruder, deine Antwort überzeugt mich irgendwie nicht ganz. Bitte nimm mir meine Zweifel und meine Sorge um dich und dein Wohlergehen, indem du es mir noch einmal genauer erklärst.” – so in der Art könnte ein liebevolles und fürsorgliches Nachhaken bei einer Vermutung dieser Art aussehen. Denn auch in diesem Fall könnte es sein, dass unser Gegenüber nicht mit der Sprache rausrücken will, weil es ihm/ihr vielleicht unangenehm ist.

⧫ Wenn am Ende, bei egal welcher Konstellation, nach dem konkreten Ansprechen der Vermutung es bei der Person dabei bleibt, dass alles verneint wird, sollten wir uns von der Vermutung lösen. Am besten komplett.
Wenn es etwas sehr Wichtiges sein sollte, von dem man sich nicht so einfach lösen kann, dann sollte man es im Gebet vor Gott bringen.
Auch hier wieder eine Weisung, die gut dazu passt:
5Mo 1,17 Ihr sollt im Gericht nicht die Person ansehen … Die Sache aber, die zu schwierig für euch ist, sollt ihr vor mich bringen, damit ich sie höre.
Spr 3,5 Vertraue auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand.

⧫ Sollte sich die Vermutung aber bestätigen, dann arbeitet zusammen an einer Lösung. Natürlich auch hier gerne mit Gebet.

Das wäre eine Art der Vorgehensweise, wie wir mit unserer Menschenkenntnis und den damit verbundenen Vermutungen anderen Segen bringen können. 

Daher möchten wir zum Abschluss noch einmal betonen, dass es hier nicht darum geht, sich komplett von seiner Lebenserfahrung und seiner Menschenkenntnis zu trennen, sondern es geht darum, sie Gott wohlgefällig einzusetzen und stets offen dafür zu sein, falsch liegen zu können.

Gerne kann man auch hierfür beten. Wofür genau? Dafür, dass die eigenen Vermutungen immer weniger aus einem selbst und dafür immer mehr aus dem Geist Gottes kommen. Aber auch hier gilt es dann natürlich vorsichtig zu sein. Sogar dann umso mehr. Denn wenn man meint, dass die Vermutungen nicht nur aus guter Menschenkenntnis, sondern aus Gottes Geist kommen, es aber am Ende nur Einbildung ist, dann sind die daraus entstehenden falschen Schlussfolgerungen und ihre Konsequenzen umso schlimmer.

Wenn du aus diesem Artikel nur eine Sache mitnehmen willst, dann ist das diese:

blankRede über deine Vermutungen!
Fragend, weil du falsch liegen könntest.
Helfend, weil du deinen Nächsten liebst.

1Kor 13,12-13 Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels wie im Rätsel, dann aber von Angesicht zu Angesicht; jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Die größte aber von diesen ist die Liebe.

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