Wenn wir bei anderen etwas vermuten

Zuerst sich selbst prüfen und sich selbst erkennen

So wie in vielen anderen Bereichen unseres Lebens ist es auch hier so, dass es elementar wichtig ist, dass wir uns immer wieder selbst prüfen und an Selbsterkenntnis zunehmen. Für unser Thema hier bedeutet das:

blankZuerst Selbsterkenntnis,
dann Menschenkenntnis.

Praktisch angewandt bedeutet diese kleine, aber wichtige ”Merkformel” Folgendes:

  1. Wir müssen zuallererst erkennen, dass wir überhaupt etwas vermuten. Da dieser Prozess so alltäglich ist, müssen wir uns, wie zuvor erwähnt, dafür sensibilisieren. Wir müssen im Alltag erkennen, wie wir immer wieder gewisse Dinge vermuten.
    Besonders hilfreich dabei ist es, wenn wir prüfen, ob wir gewisse Menschen in unserem Umfeld haben, bei denen wir das ganz besonders häufig tun. Sollte das der Fall sein, müssen wir umso sensibler für das Thema werden, denn diese Häufigkeit ist kein Zufall. Das bringt uns direkt zum nächsten Punkt unserer Selbsterkenntnis.
  2. Haben wir festgestellt, dass wir eine Vermutung haben, sollten wir als nächstes prüfen, ob diese Vermutung in uns Positives oder Negatives auslöst. Da unser Fokus hier das Letztere ist, lautet die passende Selbstprüfungsfrage dazu: Was genau löst es in mir aus? Zu welchen Emotionen (ver)leitet es mich? Und wieso ist das so? Habe ich ein persönliches Problem mit einer ganz speziellen Sache oder Person? Wenn ja, auch hier die Frage: Wieso ist das so?
    Erst wenn man die Antwort auf diese und ähnliche Fragen kennt, folgt der dritte und letzte Punkt.
  3. Was habe ich jetzt vor, mit dieser Vermutung zu machen? (Was habe ich bisher bei derartigen Vermutungen getan?)

Wenn du noch weitere sinnige Selbstprüfungsfragen hast, nehme sie in deine persönliche Liste auf und erkenne dich selbst bei diesem Thema immer mehr.

… 

Hast du das alles getan, geht es jetzt um deine Taten, sprich darum, was du jetzt ganz konkret mit deiner Vermutung machen wirst.

Wirst du mit der Person darüber reden oder eher mit anderen? Wirst du dir konkrete Gedanken machen, wie du helfen kannst oder wirst du dich eher genervt fühlen, weil es “irgendwie immer dasselbe” mit diesem oder jenem Menschen ist?

Wirst du in Liebe gemäß dem neuen Menschen in Christus handeln oder eher nach dem alten?

… 

Was in diesem Zusammenhang auch häufig vorkommt, ist, dass man aus Scheu oder gar Angst vor einem Gespräch dem Ganzen aus dem Weg geht und seine Vermutungen für sich behält, aber …

Spr 29,25 Menschenfurcht ist ein Fallstrick … 

Dieser Fallstrick ist eben mitunter derjenige, dass man eher mit anderen über seine Vermutungen spricht, als mit der Person selbst. Oder man behält sie im Herzen, aber dort schlagen sie Wurzeln und bringen dann mit der Zeit immer mehr schlechte Früchte hervor. Wenn man aber Dinge klären will und vor allem, wenn man seinen Nächsten helfen will, ist uns allen klar, dass diese und ähnliche Wege nicht die richtigen sind.

Daher die Frage: Wie kann man unsere Menschenkenntnis und die damit verbundenen Vermutungen Gott wohlgefällig einsetzen?