Wächter des Wortes – Wie prüft man Biblisches? – Teil 6: Vorsicht

3. Vorsicht: Wortwörtlich, bildhaft, geistlich – und die Weisung!

1Kor 12,3 Darum lasse ich euch wissen, dass niemand, der im Geist Gottes redet, Jesus verflucht nennt; es kann aber auch niemand Jesus ‘Herrn’ nennen als nur im Heiligen Geist. [SLT]

Frage dazu: Ist es wirklich so, dass wenn ich einem “Ungläubigen” auf der Straße 500 Euro in die Hand drücke und ihm sage: “Sage mal, dass Jesus ‘Herr’ ist.”, dass er es dann nicht über die Lippen bringen kann, weil der Vers besagt, dass niemand das sagen kann, außer der Geist Gottes befähigt ihn dazu? Können und sollen wir derartige Stellen wirklich so verstehen?

Ehe falsche Gedanken zu diesen und ähnlichen Fragen aufkommen, zuerst eine Klarstellung vorab: Natürlich sollen wir die Heilige Schrift wortwörtlich verstehen!
Aber es gibt hier und da Verse (und das nicht wenige), bei denen wir aufpassen müssen, sie nicht durch die wörtliche Interpretation falsch zu verstehen, da entweder der Zusammenhang etwas anderes klarmacht (das hatten wir bereits im dritten Teil aufgezeigt) oder die Verse bildhaft gemeint sind.
Hier nur kurz zwei Beispiele, bei denen es direkt klar wird, dass die Aussagen nicht wortwörtlich, sondern bildhaft gemeint sind:

Ps 7,10 Lass doch die Bosheit der Gottlosen ein Ende nehmen, und befestige den Gerechten! Es prüft ja Herzen und Nieren der gerechte Gott. [CSV]

Offensichtlich geht es hier in dem Vers nicht darum, dass Gott den physischen Zustand der Herzen und Nieren auf biochemische Werte checkt, sondern es geht darum, dass er unser Innerstes prüft, um dann Folgendes zu tun:

Jer 17,9-10 Überaus trügerisch ist das Herz und bösartig; wer kann es ergründen? Ich, der HERR, erforsche das Herz und prüfe die Nieren, um jedem Einzelnen zu vergelten entsprechend seinen Wegen, entsprechend der Frucht seiner Taten. [SLT]

Nebst diesen und ähnlichen bildhaften Aussagen gibt es auch Redewendungen, die man nicht wortwörtlich anwenden kann (wir möchten diese Redewendungen am Rande erwähnen und sie in die Kategorie “bildhafte Bedeutung” einsortieren). Auch hierzu ein Beispiel:

1Mo 20,16 Und zu Sara sprach er: Siehe, ich habe deinem Bruder tausend Silberstücke gegeben; siehe, das sei eine Augendecke für dich vor allen, die bei dir sind, und in Bezug auf alles ist die Sache rechtlich geschlichtet. [CSV]

Offenkundig soll derjenige nicht aus den tausend Silberstücken eine Decke basteln und sie auf seine Augen legen, sondern mit dieser Formulierung wird ausgedrückt, dass durch die tausend Silberstücke die Sache “rechtlich geschlichtet” ist und eine Wiedergutmachung stattgefunden hat.

Was nun zur Verwirrung führen kann, ist, dass man hin und wieder eine Redewendung oder einen bildhaften Vers nicht von einem wortwörtlichen unterscheiden kann. Auch hierfür ein kleines Beispiel, was bei manchen, v.a. bei unseren Brüdern aus Juda, zur Verwirrung führt:

5Mo 6,4-9 Höre Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein! Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf dem Herzen tragen, und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst; und du sollst sie zum Zeichen auf deine Hand binden, und sie sollen dir zum Erinnerungszeichen über den Augen sein; und du sollst sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore schreiben. [SLT]

Die Aussage, dass man diese Worte “zum Zeichen auf seine Hand binden” soll, nehmen manche wortwörtlich und binden sich etwas als Zeichen auf die Hand. Zwar nicht immer, aber z.B. beim Gebet. Die Frage ist nun: Warum nur beim Gebet? Steht das denn so da?
Eine andere legitime Frage zu diesen Versen wäre: Warum nicht den Kindern die Worte wortwörtlich “einschärfen”? Warum nicht immer ein Stirnband tragen? Oder wie sieht es mit dem Tragen der Worte auf dem Herzen aus? Schließlich steht da ja nicht auf der Brust oder dem Brustkorb, sondern wirklich auf dem Herzen. Muss man sich deswegen operieren lassen, sodass man die Worte drauf schreiben kann?

Wir wollen durch diese Fragen nicht provozieren. Das sei uns ferne. Wir möchten lediglich die Methode des “Rosinenpickens” dahinter aufzeigen und fragen, warum man das eine wortwörtlich nimmt und das andere nicht.

Ein weiteres Beispiel zum bildhaften Verständnis von Stellen; dieses Mal aus der Bergpredigt: Sollen wir wirklich uns ein Auge rausreißen oder unsere Hand abhacken?

Mt 5,29-30 Wenn dir aber dein rechtes Auge ein Anstoß zur Sünde wird, so reiß es aus und wirf es von dir! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verlorengeht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. Und wenn deine rechte Hand für dich ein Anstoß zur Sünde wird, so haue sie ab und wirf sie von dir! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verlorengeht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. [SLT]

Ganz offensichtlich wird uns durch diese und andere Stellen etwas durch Bilder klargemacht. Für 5Mo 6,4-9 bedeutet das: Das Gesetz Gottes soll so tief in uns verankert sein, dass wir es nie vergessen und wir stets unser Handeln und Denken danach ausrichten. Wir sollen es auch unseren Kindern als Weisung Gottes weitergeben und von Anfang an lehren. Ferner soll unser gesamtes Haus davon erfüllt sein, sodass am besten alle darin nach diesem Gesetz leben.
Die Worte aus Mt 5 sollen uns wiederum klar und deutlich die immense Gefahr der Sünde aufzeigen. Diese Gefahr ist so groß, dass es besser ist, ein Körperteil zu verlieren, als sich den Weg ins ewige Leben durch die Sünde zu verwehren. Keineswegs lehrt uns hier unser Meister, dass wir uns von Körperteilen trennen sollen. Ansonsten hätten wir wohl alle im Glauben ein großes Problem.

Dies nur kurz als Veranschaulichung zu Aussagen mit bildhafter Bedeutung und der schleichenden Gefahr darin, diese an der falschen Stelle wörtlich zu verstehen.

Die nächsten Beispiele drehen sich um den Punkt der “geistlichen Bedeutung” von Versen. Auch hier wieder ein kurzes Beispiel:

Als Abraham seinen Sohn opfern sollte, geschah dies, um den Bund zwischen Gott und den Menschen aufzurichten. Dieser ewige Bund sollte und soll am Ende den Menschen wieder zurück in die Gegenwart Gottes bringen. Der Schlüssel hierfür ist der Sohn. Aber nicht der Sohn Abrahams, also Isaak, sondern der Sohn Gottes Jeschua (Jesus). Das heißt, dass damals durch unseren Vater Abraham, der seinen geliebten Sohn Isaak opfern sollte, ein geistliches Abbild auf unseren himmlischen Vater steckt, der seinen geliebten Sohn Jeschua (Jesus) opferte.
Aber nur weil dieses geistliche Abbild vorhanden ist, heißt das nicht, dass das nicht genau so passiert ist, wie es passiert ist (denn selbstverständlich sind die Ereignisse damals haargenau so geschehen, wie sie geschrieben stehen). Sie sind also keine bildhaften Geschichten, die uns so erzählt werden, damit sie später auf den Sohn Gottes und sein Opfer passen, sondern sie sind wahre Ereignisse, die der Allmächtige so gelenkt hat, dass darin geistliche, in dem Fall prophetische Bilder für uns enthalten sind.

Bei der Suche nach diesen geistlichen und prophetischen Abbildern verbirgt sich für einige von uns eine große Gefahr, denn beim Verlangen nach tieferen Weisheiten überspannen einige Geschwister den Bogen und schießen so über das Ziel hinaus. Was nicht heißt, dass wir uns gar nicht mit diesen geistlichen und prophetischen Bildern beschäftigen sollen. Das sollen wir durchaus, denn dafür sind sie ja da. Nur das Wichtigere in unserem Glauben sollen wir dabei nicht vernachlässigen: unseren Gott wohlgefälligen Wandel.
Ganz nach dem Motto, welches uns unser Herr beim Rügen der Pharisäer aufzeigt (auch wenn hier der Zusammenhang ein wenig anders ist, ist das Prinzip dahinter “das Wichtigere nicht zu vernachlässigen” exakt dasselbe):

Lk 11,42 Aber wehe euch Pharisäern, dass ihr die Minze und die Raute und alles Gemüse verzehntet und das Recht und die Liebe Gottes umgeht! Dieses sollte man tun und jenes nicht lassen. [SLT]

Auch wir sollten also bei all der Suche nach geistlichen und prophetischen Bildern (die meist nur etwas in unserem “Kopf” verändern), das Wichtigere – nämlich die Veränderung unserer Herzen und die Taten, die daraus entspringen – nicht vernachlässigen! Ansonsten könnte es sein, dass auch wir von unserem Herrn gerügt werden.

Zum Abschluss noch kurz ein Beispiel für die vierte Variante: die Weisung.

2Mo 23,4 Wenn du den Ochsen deines Feindes oder seinen Esel umherirrend antriffst, sollst du ihn diesem jedenfalls zurückbringen. [CSV]

Um auch hier wieder passend zu diesem Teil die Gefahr unserer persönlichen “Fleischbrille” aufzugreifen, könnte man z.B. die Meinung vertreten, dass dieser Vers nur von einem Ochsen oder einem Esel spricht; d.h. wenn man also kleinlich, bzw. für denjenigen mit der Brille “ganz genau” sein will, könnte man z.B. sagen: “Da steht nichts von einem Pferd und da wir laut 5Mo 4,2 nichts aus dem Gesetz wegnehmen und nichts hinzufügen sollen, behalte ich den Zuchthengst, weil der Vers besagt ja nur Ochse oder Esel.”

Das Beachten und Anwenden von 5Mo 4,2 ist lobenswert, aber offensichtlich will uns der Allmächtige hier etwas mitteilen, nämlich dass 2Mo 23,4 eine Art Weisung für uns ist; sprich das Gebot soll uns einen Gott wohlgefälligen Weg zeigen, sodass wir dadurch verstehen können, dass wir nicht nur Ochsen und Esel zurückgeben sollen, sondern eben alles, was jemand anderem gehört.
Jeder müsste das eigentlich verstehen, ohne dass eine vollständige Liste aller möglichen Personen, Tiere und Gegenstände für uns aufgelistet wird; d.h. jeder sollte eigentlich sofort begreifen, dass hier ein grundsätzliches, göttliches Prinzip gelehrt wird: Alles, was jemand verliert, gebe ich ihm zurück. Selbst wenn es mein Feind ist.

Die Gefahr bei dieser Art Weisung, als auch bei geistlichen Verständnissen ist, dass der Spielraum für uns sehr groß ist. Unser Fleisch hat sozusagen zu viel Ausweichmöglichkeiten, um am Ende das zu verstehen und zu tun, wonach es trachtet, d.h.: Der eine nimmt diese und ähnliche Verse wortwörtlich, ein anderer nimmt sie als Anlass, unzählige Menschengebote ins Leben zu rufen, um sie dann am Ende als Weisung Gottes zu verkaufen. Damit das nicht geschieht, müssen wir ganz bewusst unsere “Fleischbrille” abnehmen (oder erst einmal verstehen, dass wir alle eine aufhaben) und dann vom Geist empfangen und im Geist wandeln. Dann werden diese und ähnliche Stellen immer offensichtlicher und klarer für uns alle, sodass wir immer besser – und in Einheit – diese vier verschiedenen Arten von Geboten aus “wörtlich, bildhaft, geistlich und Weisung” verstehen. Und dann richtig in unserem Leben anwenden.

Das Thema rund um diese vier, sagen wir mal, Ebenen ist an dieser Stelle zu umfangreich, um in die Tiefe zu gehen. So Gott schenkt, wird es dazu einen eigenständigen Artikel geben. Hier an dieser Stelle soll erst einmal nur aufgezeigt werden, dass wir vorsichtig im Umgang mit der Heiligen Schrift sein müssen, denn offenkundig gibt es diese vier Ebenen. Teilweise ist es sogar oft so, dass die Übergänge zwischen diesen fließend sind und miteinander in unmittelbarer Beziehung stehen.
Da dem so ist, kommt es dann leider vermehrt vor, dass die Heilige Schrift auf diverse Arten und Weisen verzerrt wird. Oft so, dass vieles sich sogar total logisch anhört, aber meist von Fehlern übersät ist. Dies geschieht v.a. in der falschen Anwendung dieser vier Ebenen. Daher bitten wir ja (dieser Gefahr bewusst) auch immer wieder darum, alles zu prüfen (1Thes 5,21). Natürlich auch unsere Inhalte.

Zum Abschluss möchten wir das Wichtigste zu diesem dritten Punkt wiederholen, was ja auch die Überschrift und das Hauptanliegen dieses sechsten Teils ist: Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht! Die Heilige Schrift ist mehrschichtig und daher kann man sie sehr leicht missverstehen oder eben auch missbrauchen. Ein paar Mal die Heilige Schrift gelesen zu haben, reicht da nicht als Schutz vor Verführung (von nur ein paar Mal das NT gelesen zu haben, ganz zu schweigen).
Daher zum Abschluss dieses dritten Punktes noch einmal die Warnung unseres Erlösers:

Mt 24,4 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt acht, dass euch niemand verführt! [SLT]