Glossar – Gemischte Kleidung

Das Heiligtum

2Mo 28,3-8 Und du sollst zu allen reden, die weisen Herzens sind, die ich mit dem Geist der Weisheit erfüllt habe, dass sie die Kleider Aarons machen, um ihn zu heiligen, damit er mir den Priesterdienst ausübt. Und dies sind die Kleider, die sie machen sollen: ein Brustschild und ein Ephod und ein Oberkleid und einen Leibrock aus zellenförmigem Gewebe, einen Kopfbund und einen Gürtel. Und sie sollen heilige Kleider machen für deinen Bruder Aaron und für seine Söhne, damit sie mir den Priesterdienst ausüben. Und sie sollen das Gold und den blauen und den roten Purpur und das Karmesin und den Byssus nehmen und sollen das Ephod machen aus Gold, blauem und rotem Purpur, Karmesin und gezwirntem Byssus, in Kunstweberarbeit. Es soll zwei zusammenfügende Schulterstücke haben an seinen beiden Enden, und so werde es zusammengefügt. Und der gewirkte Gürtel, womit es angebunden wird, der darüber ist, soll von gleicher Arbeit mit ihm sein: aus Gold, blauem und rotem Purpur und Karmesin und gezwirntem Byssus.

Auch zu dieser Stelle gäbe es viele Punkte, die man behandeln könnte. Der auffälligste ist sicherlich, dass bei der Aufzählung der Materialien sowohl Stoffe als auch Farben genannt werden. Oder anders ausgedrückt: Was Gold ist, weiß man. Was Byssus ist, weiß man. Es ist eine Textilie. Das andere sind aber Farben bzw. Farbstoffe. Inwiefern macht das Sinn?

Die Beantwortung der Frage ist alles andere als unkompliziert. Aber man kann sagen, dass die Übersetzer sich nicht wahllos zwischen dem Gold und dem Byssus bei den anderen Materialien für Farben bzw. eben Farbstoffe entschieden haben.

Ein Beispiel dazu, damit man den Punkt besser nachvollziehen kann:
“Karmesin” ist ein Farbstoff, der aus Schildläusen gewonnen wird. Das hebräische Wort dahinter bedeutet “Wurm” oder “Larve”. Dass keine Würmer zu Stofffäden verarbeitet wurden ist klar, aber die Farbe, die aus diesem und ähnlichen Gewürm gewonnen wurde, diente eben damals nachweislich zur Färbung von Materialien. Selbst heute werden einige Stoffe noch damit gefärbt.
Auch das Wort “Byssus” (das z.B. die Schlachter mit “Leinen” übersetzt) ist alles andere als unkompliziert. Denn die Heilige Schrift nutzt für das uns bekannte “Leinen” drei verschiedene Wörter, die wiederum durch den jeweiligen Zusammenhang an den verschiedenen Stellen teilweise austauschbar genutzt werden.

Lange Rede kurzer Sinn: Das ganze Thema ist, wie bereits erwähnt, kompliziert und sehr vielschichtig. Daher fokussieren wir uns erneut nur auf das Wichtigste und Klarste, was uns der Text zum Thema “Gemischte Kleidung” sagt. Diese sind bei der soeben gelesenen Stelle:

Das Ephod soll man aus Gold, blauem und rotem Purpur, Karmesin und gezwirntem Byssus machen.
Ebenso den gewirkten Gürtel aus Gold, blauem und rotem Purpur und Karmesin und gezwirntem Byssus.

Was man völlig interpretationsfrei zu dieser Auflistung sagen kann, ist, dass hier mindestens zwei verschiedene Materialien aufgeführt werden, die miteinander gemischt verarbeitet werden sollen: Gold und mindestens eine Textilie (je nachdem, für was genau der “blaue und rote Purpur und Karmesin und gezwirnte Byssussteht).

Man könnte dazu direkt einwenden:
“Was ist, wenn das Gold sich nur auf so etwas wie die Verbindungsstücke beim Ephod und beim Gürtel vielleicht nur auf eine Schnalle oder so bezieht und in dem Sinne keine zwei Materialien miteinander gemischt werden?”

Der Gedanke ist nachvollziehbar, auch wenn der Text nichts von einer Gürtelschnalle oder dergleichen sagt. Dennoch wäre es möglich.

Die Aufklärung aber, dass es sich nicht um Verbindungsstücke oder Schnallen handelt, sondern tatsächlich um goldene Fäden, die mit anderen gemischt wurden, lesen wir elf Kapitel später. Denn dort wird dann die göttliche Anleitung in die Tat umgesetzt; sprich die aufgelisteten Materialien werden hergestellt und zur Weiterverarbeitung vorbereitet. Der Text sagt zum vorher erwähnten Gold:

2Mo 39,3 Und sie hämmerten Goldbleche, und man zerschnitt sie zu Fäden, zum Verarbeiten unter den blauen und unter den roten Purpur und unter das Karmesin und unter den Byssus, in Kunstweberarbeit.

Hier lesen wir eindeutig und unmissverständlich, dass
a) das Gold nicht zu irgendwelchen gröberen Goldstücken verarbeitet und so bei den verschiedenen Kleidungsstücken genutzt wurde, sondern
b) dass daraus Fäden gemacht und unter den blauen und roten Purpur, das Karmesin und unter den Byssus gemischt wurden.

Jetzt könnte der eine oder andere sich die Frage stellen:
“Wie jetzt: Gold zu Fäden verarbeiten und dann mit anderen Fäden mischen? Das geht doch gar nicht, oder? Ist Gold als Metall nicht viel zu hart für sowas?!”

Nein, ist es nicht. Gold ist extrem “duktil”, also sehr weich und daher extrem form- und dehnbar. Es kann, wie es der Text sagt, selbst mit damaligen Mitteln zu einem Faden verarbeitet werden, der dann nicht bricht, wenn er weiter mit anderen Fäden gemischt wird.

Gold hat nebst dieser bemerkenswerten Eigenschaft viele weitere faszinierende Besonderheiten. Nicht umsonst hat es ein Alleinstellungsmerkmal in der Heiligen Schrift. Nicht umsonst ist die zukünftige himmlische Stadt aus purem Gold.
Aber jetzt weiter über “Gold” und seine Einzigartigkeit zu sprechen, würde erneut ablenken und den Rahmen sprengen. Hier reicht es uns erst einmal, dass wir unmissverständlich davon lesen können, wie für die priesterliche Kleidung zwei verschiedene Materialien miteinander gemischt werden: Gold mit anderen Fäden.

Das bringt uns natürlich direkt zu dem Verbot aus 3Mo 19,19 zurück. Denn wenn es bei dem Gebot um ein generelles Vermischungsverbot geht, dann dienten die Priester im Heiligtum dauerhaft in Sünde, was natürlich absurd ist. In anderen Worten: Die Priester trugen Mischgewebe.

Jetzt könnte man sich fragen: “Haben wir dadurch jetzt nicht endgültig und eindeutig den Beleg dafür, dass das Mischen von Materialien grundsätzlich erlaubt ist und nur die Mischung aus Wolle und Leinen, also das scha’atnezverboten ist?”

Ja, im Grunde schon, wenn das Ganze nicht einen Haken hätte:
Denn sowohl archäologische Funde, als auch historische Belege, als auch Niederschriften von Priestern, die selbst im Heiligtum dienten, zeigen kristallklar eine Tatsache auf: Der blaue und rote Purpur und das Karmesin beschreiben Wollfasern, die mit den jeweiligen Farbstoffen gefärbt wurden und das Byssus, beschreibt die in der Sonne gebleichten Leinenfasern, die durch das Sonnenlicht komplett weiß gemacht wurden.

Auch dazu könnte man – und das völlig zurecht – einwenden:
“Was interessieren uns außerbiblische Quellen, wenn der heilige Text das sagt, was er sagt!?!”

Genau so sehen wir das auch! Und zwar ganz genau so!

Was ist aber, wenn es eine weitere Möglichkeit gibt?

Denn eine wichtige Frage haben wir ja noch nicht beantwortet. Das heißt, wenn es jetzt klar ist, dass nicht grundsätzlich alle möglichen Mischungen, sondern explizit die Mischung: “Wolle und Leinen” als Kleidung verboten ist, bleibt ja weiterhin die Frage unbeantwortet:
Was ist der Grund für das Verbot dieser speziellen Mischung? Warum dürfen wir kein scha’atneztragen?