Glossar – Gemischte Kleidung

Der Grund für das Verbot

Bei der Suche nach dem “Warum” gibt es verschiedene Ansätze: Manche versuchen die Frage durch halb-esoterische Gründe zu beantworten, wie z.B. dass Textilien Schwingungen haben und genau diese Mischung sich irgendwie negativ auswirkt (wozu wir sagen können, dass nach Recherche dies lediglich nur eine vage Behauptung ist, die noch von niemandem bewiesen wurde). Andere wiederum sagen, dass der Grund etwas damit zu tun hat, sich von heidnischen Bräuchen abzusondern. Wiederum andere haben ganz andere Gründe.

Was man zu alledem sagen kann, ist, dass viele auf die eine oder andere Weise Sinn ergeben. Zumindest oberflächlich betrachtet. Fakt ist aber, dass sie alle nicht in der Heiligen Schrift wiederzufinden sind. Wir lesen also z.B. nichts davon, dass irgendwelche Schwingungen oder dergleichen der Grund für das Verbot sind.

Was wir aber aus der Torah und generell aus der Heiligen Schrift lernen dürfen, ist, dass es göttliche Muster und Weisungen gibt, durch die wir von dem einen auf das andere schließen dürfen und auch sollen.
Unser Lieblingsbeispiel hierfür ist der verlorene Esel des Feindes aus 2Mo 23,4, den man ihm zurückbringen soll, wenn man ihn findet. Durch dieses Gebot lernen wir nicht nur, was es u.a. bedeutet, unsere Feinde zu lieben, sondern natürlich auch das, dass wir unserem Feind auch alles andere, wie z.B. seine verlorene Geldbörse zurückbringen, wenn wir sie finden.

Ähnliche göttliche Prinzipien können wir auch bei unserem Thema anwenden, wie z.B. bei der Mischung des Salböls für die Priester:

2Mo 30,25-32 Und mache daraus ein Öl der heiligen Salbung, eine Mischung von Gewürzsalbe, ein Werk des Salbenmischers; es soll ein Öl der heiligen Salbung sein. Und du sollst damit salben das Zelt der Zusammenkunft und die Lade des Zeugnisses und den Tisch und alle seine Geräte und den Leuchter und seine Geräte und den Räucheraltar und den Brandopferaltar und alle seine Geräte und das Becken und sein Gestell, und du sollst sie heiligen; und sie sollen hochheilig sein: Alles, was sie anrührt, wird heilig sein. Und Aaron und seine Söhne sollst du salben und sollst sie heiligen, damit sie mir den Priesterdienst ausüben. Und zu den Kindern Israel sollst du so reden: Ein Öl der heiligen Salbung soll mir dieses sein bei euren Geschlechtern. Auf keines Menschen Fleisch soll man es gießen, und in dieser Zusammensetzung sollt ihr ihm Gleiches nicht machen; es ist heilig, heilig soll es euch sein.

Hier lesen wir davon, eine Mischung mit dieser Zusammensetzung nicht machen zu dürfen

Die mehr als offensichtliche Parallele zwischen dem Salböl und der Kleidung führt zu der Frage:
Kann es sein, dass wenn das heilige Salböl für die Priester auf niemanden kommen darf, dass dann vielleicht auch die heiligen Kleider für die Priester auf niemanden kommen dürfen? Denn wenn der Priester eine besondere, heilige Kleidung trug, wie es 2Mo 28 sagt, bei der dann explizit Wolle und Leinen gemischt wurden, macht es da nicht total Sinn, dass diese spezielle Mischung ebenfalls nicht auf das Volk kommen durfte?! Denn wenn man unsere beiden Verse zum Mischgewebe nicht getrennt voneinander, sondern zusammengenommen betrachtet, sagen sie genau das aus:

3Mo 19,19 und 5Mo 22,11:
blankEin Kleid aus “scha’atnez”,
Wolle und Leinen zusammen,
soll nicht auf dich kommen.

Eben ganz genau so wie hier bei 2Mo 30,32 das heilige Salböl auf die Priester, aber auf niemanden sonst aus dem Volk kommen durfte. Die Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen.

Mit dieser Erkenntnis hätten wir dann keinen esoterischen, pseudowissenschaftlichen oder mutmaßlich kulturellen Grund für das Verbot der Mischung aus Wolle und Leinen (auch keinen, der sich nur auf außerbiblische Quellen bezieht), sondern einen völlig nachvollziehbaren und sinnigen Grund, der sich klar auf den heiligen Text allein bezieht.