Wie kann man sich überhaupt im Herzen verletzen?
Traumatische Erlebnisse, Mobbing, Vertrauensbrüche, Erlebnisse aus der Kindheit und dergleichen sind wahrscheinlich die ersten Gedanken, die einem zu dieser Frage einfallen.
Was ist aber, wenn es Verletzungen im Herzen gibt, die im übertragenen Sinne nicht “auf einmal” auftreten und “offensichtlich” sind, sondern mit der Zeit schleichend und völlig unauffällig passieren?
Passend zu dieser Frage hatten wir beim Artikel “Gift der Gesellschaft” den Punkt:
“Wir leben in einer Welt, die uns dazu programmiert, schön und erfolgreich zu sein. Erfolgreich in der Schule, erfolgreich im Beruf, erfolgreich im Hobby – erfolgreich in allem. Daran ist erst einmal nichts Schlechtes, aber zu welchem Preis kommt das alles? Kennst du zum Beispiel Menschen, die wegen dieser oberflächlichen Dinge nicht so gut mit sich selbst klarkommen, Angst vor dem Versagen haben oder sich nicht schön genug finden, obwohl doch jeder von uns weiß, dass es auf die inneren Werte ankommt, richtig? Kennst du Menschen, die wegen dieser Dinge ein geringes Selbstwertgefühl haben – oder kennst du einige dieser Dinge vielleicht sogar von dir selbst?”
Ergänzende Fragen dazu, die einem dabei helfen könnten, sich besser hinsichtlich dieser Thematik zu verstehen und klarer zu erkennen, wie stark dieses sog. “Gift der Gesellschaft” in einem arbeitet, wären:
- Vergleichst du dich mit anderen? Zum Beispiel, was du im Vergleich zu ihnen kannst oder nicht kannst?
- Machst du dir immer wieder mal Gedanken über dein Äußeres? Zu dünn, zu dick, zu klein, zu alt, diese oder jene Sache an deinem Körper oder in deinem Gesicht stören dich usw.?
- Sagst du dir selbst und anderen, dass deine Diäten und sportlichen Bemühungen einen gesundheitlichen Grund haben, obwohl eher die Veränderung deines Äußeren dein Haupt-Motivationsgrund ist?
- Bist du unzufrieden mit dir selbst und machst dir immer wieder Gedanken darüber?
Solltest du diese oder ähnliche Dinge von dir kennen,
(einige oder vielleicht sogar alle davon)
dann unterschätze nicht die Kraft dieser Gedanken!
Denn durch sie und den Gefühlen, die unmittelbar mit ihnen verbunden sind, gibst du dir selbst einen Wert. Daher ja das Wort “Selbst-wert-gefühl”. Wenn aber der Grund, warum du das von dir denkst, was du denkst, nicht von Gott, sondern von der Welt vorgegeben und bestimmt wird, sind gelinde gesagt Probleme vorprogrammiert.
Denn der Wert deiner selbst, der in den Augen Gottes absolut kostbar ist – weil du sein Kind bist (!) – ist für dich nicht so entscheidend, wie das Selbstwertgefühl, das dir die Welt anhand deines Aussehens und deiner “Leistung” (also anhand dessen, was du im Vergleich zu anderen kannst oder nicht kannst) vermittelt.
Für unseren himmlischen Vater ist aber nicht deine Leistung und dein Aussehen entscheidend, sondern das, was du bist: Sein Kind, das von ihm geliebt wird!
Das mag “abgedroschen” klingen, aber das ist die Wahrheit!
Wie es ja auch bei Eltern ist: Denn auch sie lieben ihre Kinder nicht wegen ihres Aussehens oder wegen dem, was sie können, sondern sie lieben sie, weil sie ihre Kinder sind!
Wir möchten diesen Fokus der Gesellschaft auf “Aussehen und Leistung” noch einmal anders betonen, weil dieser Punkt so wichtig ist:
Die Welt programmiert uns dazu, schön und erfolgreich zu sein. Dieser allgegenwärtige Schönheits- und Erfolgsdruck geht nicht spurlos am Menschen vorbei, sondern arbeitet in ihm. Bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Aber für alle gilt am Ende: Schon ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig (Gal 5,9). Und dieser Sauerteig, also die Programmierung der Welt, ist ein ständiger Begleiter im Leben und im Herzen vieler, vieler Menschen.

Er ist oft die tief sitzende und meist nicht bewusst wahrgenommene wahre Wurzel für viele Dinge, die wir denken, sagen, tun und fühlen!
Wir sind in den diversen Artikeln auf diese allgegenwärtige Gefahr eingegangen und möchten sie hier daher abkürzen und ein wenig anders aufzeigen:
Alles beginnt mit dem, wie Gott uns Menschen geschaffen hat: nämlich um zu lieben und geliebt zu werden. Das ist quasi das A und O seiner Schöpfung. Wenn aber nun sein Geschöpf, der Mensch, keine wahre Annahme und echte Liebe erfährt, dann entstehen auf kurz oder lang Probleme. Sogar massive Probleme, weil eben etwas Lebenswichtiges fehlt.
Eines von diesen Problemen ist, dass die zuvor erwähnte Programmierung, also die Lügen und der Sauerteig der Welt, durch den Mangel an Annahme und Liebe sehr einfach, widerstandslos und unbemerkt Wurzeln in uns schlagen kann. Das führt dann unweigerlich dazu, dass kaum oder nicht erfahrene Liebe zu weiterer nicht erfahrener Liebe führt. Das ist das Ergebnis eines – im wahrsten Sinne des Wortes – Teufelskreises, der ungefähr so aussieht (und eben durch mangelnde Liebe überhaupt erst in Gang gesetzt wird):
Das heißt: Der Druck der Welt, schön und erfolgreich zu sein, kann durch Gedanken wie: “Ich bin nicht schön oder nicht gut genug!” ein geringes Selbstwertgefühl in einem hervorrufen; gepaart mit der generell “mangelnden erfahrenen Liebe” im eigenen Leben kann sich dann ein Denk- und Verhaltensmuster in einem breitmachen, dass einem einredet, dass man nur geliebt wird, wenn man so und so aussieht oder dieses und jenes kann. Das wiederum führt dann ganz automatisch dazu, dass man von anderen gesehen werden will, sprich nach Anerkennung und Liebe hascht. Erfolgt diese Anerkennung nicht, dann denkt man schnell, dass man nicht angenommen und nicht geliebt wird (völlig unabhängig davon, dass diese Annahme und Liebe dann sowieso nur auf Oberflächlichkeiten beruhen würde). Diese Enttäuschung und Unzufriedenheit führt dann unweigerlich zurück zum Anfang; d.h. die mangelnde erfahrene Liebe lässt den Teufelskreis von Neuem beginnen und alles wird noch schlimmer. Und der Mensch immer unzufriedener.
Wie zuvor gesagt:
Liebe ist so etwas wie unser Lebenselixier.
Bekommen wir sie nicht, werden wir krank.
Unweigerlich!
Und da der Herr gesagt hat, dass am Ende der Tage die Lieblosigkeit in der Welt zunehmen wird, ist es nicht weiter verwunderlich, dass dieser Kreislauf so gut in der heutigen Zeit funktioniert. Das heißt: Dieser Teufelskreis kommt nicht von ungefähr, sondern er ist das unmittelbare Ergebnis dessen, was die Gesellschaft in unsere Herzen und Köpfe – als auch in die unserer Eltern – gepflanzt hat. Ganz unauffällig und unbemerkt sind wir dem Ganzen also von Kindheit an ausgesetzt.
Oder dieselbe Aussage noch einmal, nur dass man eine Sache bei der Formulierung austauscht:
Dieser Teufelskreis kommt nicht von ungefähr, sondern “der Name ist Programm”, soll heißen, er ist das Ergebnis dessen, was der Fürst dieser Weltzeit, also der Feind, Satan, die Schlange, in unsere als auch in die Köpfe und Herzen unserer Eltern gepflanzt hat. Ganz unauffällig und unbemerkt ‒ ganz listig und in Lügen verpackt. Eben ganz genau so, wie man es von der “Schlange” kennt, die nicht nur der Feind Gottes, sondern eben auch der Feind des Menschen ist. Er ist der Stolze, der Ankläger, der Mörder und der Lügner, wie es uns die Heilige Schrift beschreibt. Und alle diese Eigenschaften Satans finden sich bei unserem Thema hier wieder: Denn es sind seine Machenschaften, die Menschen dazu bringen, …
- unbewusst stolz zu werden,
- seinen Lügen zu glauben,
- andere oder sich selbst aus Unzufriedenheit anzuklagen und
- Gott bewahre: sogar sich selbst etwas anzutun.
Eph 6,10-12 Im Übrigen, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr standhalten könnt gegenüber den listigen Kunstgriffen des Teufels; denn unser Kampf richtet sich nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Herrschaften, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher der Finsternis dieser Weltzeit, gegen die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Regionen.
2Kor 10,3-5 Denn obgleich wir im Fleisch wandeln, so kämpfen wir doch nicht nach Art des Fleisches; denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig durch Gott zur Zerstörung von Festungen, sodass wir falsche Gedankengebäude zerstören und jeden Stolz, der sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und jeden Gedanken gefangen nehmen zum Gehorsam gegen Christus.
Ist das alles ein Zufall? Ist es ein Zufall, dass dieser Kampf aktuell mehr denn je in der Welt tobt? Ist es ein Zufall, dass die Unzufriedenheit und innere Unruhe der Menschen zunimmt und ihr Selbstwertgefühl abnimmt?
Nein, das ist es nicht!
Denn wenn die Oberflächlichkeit und Lieblosigkeit in der Welt zunimmt, dann nimmt auch die Gottlosigkeit zu. Und umgekehrt genauso: Wenn die Gottlosigkeit zunimmt, dann nimmt auch die Oberflächlichkeit und Lieblosigkeit zu.
Das Ergebnis von alledem sehen wir dann vor unseren Augen. Und ein großes “Teilergebnis” davon sind die “verletzten Herzen” und das geringe Selbstwertgefühl vieler, vieler Menschen.
Daher ja:
Lk 4,18 Der Geist des HERRN ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden; er hat mich gesandt, zu heilen, die zerbrochenen Herzens sind …

