Unsere Herzen & unsere Zungen: Problem und Lösung zugleich
Dazu direkt drei Stellen
Lk 6,45 Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor, und der böse Mensch bringt aus dem bösen Schatz seines Herzens das Böse hervor; denn wovon sein Herz voll ist, davon redet sein Mund.
Jak 3,8-10 Die Zunge aber kann kein Mensch bezwingen, das unbändige Übel voll tödlichen Giftes! Mit ihr loben wir Gott, den Vater, und mit ihr verfluchen wir die Menschen, die nach dem Bild Gottes gemacht sind; aus ein und demselben Mund geht Loben und Fluchen hervor. Das soll nicht so sein, meine Brüder!
Jer 17,9 Überaus trügerisch ist das Herz und bösartig; wer kann es ergründen?
Anhand dieser drei Stellen (und zahlreicher anderer) kann man Folgendes festhalten:
Wir haben auf der einen Seite ein böses und überaus trügerisches Herz, aus dessen Fülle der Mund redet; und dieser Mund bzw. eben die Zunge kann man nur schwer bezwingen.
Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass Gott Gutes und seinen Geist in uns gelegt hat. Dieses Gute in unserem Herzen kann ebenfalls “aus der Fülle reden” und so dann nicht Fluch, sondern Segen bringen.
Beides ist möglich. So natürlich auch bei unserem Thema hier. Das heißt:
Wir können mit unseren Zungen verletzte Herzen weiter verletzen
oder dabei helfen, dass sie heilen!
Spr 12,18 Wer unbedacht redet, der verletzt wie ein durchbohrendes Schwert; die Zunge der Weisen aber ist heilsam.
An dieser Stelle könnte man nun sehr, sehr viel sagen und viele weitere Stellen zitieren, aber im Grunde geht es erst einmal darum, dass man über die eigenen Verletzungen als auch über die Verletzungen des Nächsten Bescheid weiß, damit man nicht, wie es der Spruch sagt, unbedacht redet, sondern weise. Weiß man aber nicht über die verletzten Herzen Bescheid (weil man unter anderem nicht darüber redet), wird es schwer.
In anderen Worten:
Man muss miteinander über die inneren Verletzungen reden!
Redet man aber nicht miteinander, dann kann es passieren, dass man nicht heilsam, sondern eben Schwertstichen gleichend redet. Etwas, was leider unweigerlich passiert, wenn Menschen Zeit miteinander verbringen – vor allem dann, wenn man mehr als nur oberflächlich miteinander zu tun hat. Diese kaum zu vermeidenden Verletzungen durch unsere Zungen können zwischen zwei Menschen, wie z.B. in einer Ehe, als auch in größeren Gruppen, wie z.B. in einer Gemeinschaft vorkommen.
Und da man meist wegen der Verletzungen im Herzen nicht über die Verletzungen im Herzen redet, steht man bei diesem Thema schon wieder vor einem Dilemma.
Und wenn man bei einem Problem nicht nur vor einem einzigen Dilemma, sondern gleich vor mehreren steht, dann weiß man, wie verzwickt das Ganze ist!
Das ist ja auch der Grund, warum es immer mehr verletzte Herzen gibt und warum diese so schwer heilen; weil hier ein Problem das nächste jagt, auf ein Dilemma das nächste folgt und ein Teufelskreis in den nächsten übergeht.
Die Lösung und Befreiung davon ist herausfordernd und kompliziert. Dennoch lässt sie sich auf drei Punkte herunterbrechen. Diese sind:
- Reden ist Gold, schweigen ist schlecht.
- Vom Schlimmsten ausgehen, auf das Beste hoffen.
- Lieben.
Klingt für so ein ernstes und äußerst anspruchsvolles Thema fast wie eine Ansammlung völlig plumper “Werbesprüche”, aber lasst uns erklären, was genau damit gemeint ist. Denn das wahrhaftig Hilfreiche an diesen “Vereinfachungen” ist, dass Themen und Herausforderungen, die schwierig und vor allem hochkomplex sind, sich am ehesten lösen lassen, wenn man alles auf das absolut Nötigste reduziert. Man wird gleich verstehen, was genau damit gemeint ist:
- Reden ist Gold, schweigen ist schlecht!
Redet man über verletzte Herzen, bringt das in mehrfacher Hinsicht Segen. Zum einen wird dadurch immer mehr sichtbar, wie weit verbreitet das Problem ist. Zum anderen hilft es dabei, dass die Verletzungen, die ja im Inneren des Menschen sind, sichtbar werden. Und so wie wir es im Teil: “Verletzte Herzen sehen” erkennen konnten, ist die Liebe und Fürsorge für kranke und/oder verletzte Menschen auf ganz natürliche Art und Weise quasi in unsere DNA geschrieben worden.
Soll heißen: Unser Schöpfer selbst hat es in unsere Herzen gelegt, dass wir bei kranken Menschen ganz automatisch – ohne dass wir uns anstrengen müssen – und auf ganz natürliche Weise mehr Rücksicht zeigen, sensibler, mitfühlender, hilfsbereiter und verständnisvoller sind – und (auch ganz automatisch) mehr in Liebe handeln.
Diese Eigenschaft in uns muss also nur “geweckt” werden,
damit diese wundervollen Werte, die Gott in uns gelegt hat, zur Geltung kommen.
Gehen wir aber mehr oder weniger alle davon aus, dass jeder von uns im Herzen gesund ist und mehr oder weniger keine Probleme mit dem Selbstwertgefühl hat, werden wir hier und da wie ein Elefant im Porzellanladen auf den Verletzungen unserer Nächsten herumtrampeln – und das eben, ohne dass wir es wissen.
Das kann durch Anmerkungen, Erwartungen, Witze, Blicke und dergleichen passieren. Etwas, wo wir selbst uns nichts dabei denken, bei unserem Nächsten aber im Herzen unschöne Gedanken und Gefühle ausgelöst werden.
Erfahren wir dann aber zum Beispiel im Nachhinein, sagen wir mal, über die schwere Kindheit unseres Nächsten, dann verändert sich meist schlagartig unsere Einschätzung der Situation und wir bekommen einen völlig neuen Blick auf das Ganze. Auf einmal können wir dann viel nachsichtiger mit der jeweiligen Person umgehen.
Ein kurzes Beispiel dazu: Jemand fasst immer wieder Kleinigkeiten als persönliche Angriffe auf und wird daher schnell wütend. Erfährt man im Nachhinein, dass die betroffene Person als Kind von vielen immer wieder niedergemacht wurde, v.a. von den Eltern, kann man die Verletzungen im Herzen sicherlich erahnen. Auf diese Weise verändert sich dann ganz automatisch unsere Sichtweise und somit dann auch unsere Verhaltensweise gegenüber dieser Person.
Warum passiert das? Weil eben dadurch die Verletzungen im Herzen sichtbar werden und das, was Gott in uns gelegt hat (wie Verständnis, Hilfsbereitschaft und Liebe), ganz automatisch “aktiviert” wird.
…
Aber auch über “kleinere innere Wunden im Herzen” sollte man reden, damit diese Wunden nicht immer wieder von Neuem aufgehen.
Man stelle sich passend dazu in einer Art Gleichnis vor, wie man sich eine kleinere Verletzung an der Hand zugefügt hat. Die Verletzung lässt sich ertragen, aber wenn sie a) nicht völlig abheilt und b) man im Alltag immer wieder “an die Wunde rankommt”, ist es schmerzhaft, weil die Stelle viel empfindlicher ist als sonst. Genauso kann es empfindliche Stellen in den Herzen unserer Nächsten geben, die wir zum Beispiel mit unseren Worten “berühren”. Bei anderen Menschen würden diese keinerlei verletzende Reaktion auslösen, aber bei der entsprechenden Person schon, weil es eben dort Verletzungen gibt, die nicht völlig geheilt sind und immer wieder von Neuem aufgehen.
Auch hier gilt dann: Man muss darüber reden! Man muss dem Nächsten mitteilen, dass diese oder jene Kleinigkeit an und für sich kein Problem ist, aber weil man diese oder jene Verletzung in sich trägt, hat der Blick, der Spruch, der Witz, das im Gespräch Gesagte (oder was auch immer) verletzt. Macht man das, wird unser Gegenüber darauf sensibilisiert und wird wesentlich achtsamer werden, als wenn man nicht darüber redet.
Daher: Reden ist Gold. Reden lässt verstehen, reden lässt Vertrauen wachsen, reden verbindet. Reden ist gut für Heilung. Schweigen hingegen ist schlecht!
…
- Vom Schlimmsten ausgehen, auf das Beste hoffen!
Sollte es tatsächlich der Fall sein (das muss jeder für sich selbst prüfen), dass mehr Menschen von verletzten Herzen betroffen sind, als man ausgeht und viele der Wunden wesentlich tiefer sitzen als gedacht, dann ist es das mit Abstand Weiseste, davon auszugehen, dass erst einmal jeder im Inneren verletzt ist und Kämpfe mit seinem Selbstwert hat.
Warum?
Weil es uns dabei helfen wird, dass das, was Gott in Form von Fürsorge, Mitgefühl und Liebe in uns gelegt hat, nicht nur einmalig “aktiviert” wird, sondern ständig aktiv bleibt, sprich:
Wir werden dann bei allen Menschen
rücksichtsvoller, sensibler, mitfühlender,
hilfsbereiter und verständnisvoller sein –
und eben: mehr in Liebe handeln & generell mehr in Liebe leben.
Gehen wir aber nicht von verletzten Herzen aus, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass durch unseren Egoismus, unser immer wieder aufs Neue Genervtsein, unser unbedachtes Reden oder einfacher ausgedrückt: durch unsere gefallene Natur wir falsch handeln werden.
Dieses “falsch gegenüber einem im Herzen verletzten Menschen zu handeln” kann dann bedeuten, dass wir ihm/ihr etwas “antun”, was wir nicht tun sollten; oder wir tun etwas nicht, was wir aber durchaus hätten tun sollen. Zu diesem Punkt sagt unser Herr:
Mt 24,40.45 Wahrlich, ich sage euch: Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan! … Und was ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan!
…
- Liebe
Dieser dritte Punkt lässt sich sehr schnell und klar behandeln, und das obwohl Liebe sehr herausfordernd und hochkomplex ist. Sie lässt sich aber dennoch auf eine einzige Sache herunterbrechen. Das gilt für unser Thema hier als auch ganz generell:
Ohne Liebe ist alles, was wir tun,
null und nichtig!
1Kor 13,2-3 Wenn ich Weissagung hätte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis, und wenn ich allen Glauben besäße, sodass ich Berge versetzte, aber keine Liebe hätte, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe austeilte und meinen Leib hingäbe, damit ich verbrannt würde, aber keine Liebe hätte, so nützte es nichts!
Daher können und müssen wir uns stets selbst prüfen – erst recht für das Thema hier (!) –, ob unsere Taten und Worte auch wirklich Taten und Worte der Liebe sind, oder nicht?
…
Die drei wichtigen Punkte kurz zusammenfassend noch einmal anders formuliert:
- Reden ist Gold, schweigen ist schlecht!
Wir sollten über das Thema “verletzte Herzen” reden. Je offener, desto besser. Das geht natürlich nicht mit jedem, aber wir müssen damit anfangen. Schweigen wird das Problem nicht lösen, sondern verschlimmern. - Vom Schlimmsten ausgehen, auf das Beste hoffen!
Wir sollten viel eher davon ausgehen, dass es wesentlich mehr Menschen mit verletzten Herzen und einem geringen Selbstwertgefühl gibt. Das wiederum bedeutet, dass wir viel bewusster, behutsamer und bedachter reden und handeln sollten. Das wird uns – ob unser Gegenüber nun verletzt ist oder nicht – so oder so dabei helfen, Gott wohlgefälliger zu wandeln. - Lieben!
Wir sollten bei all dem Gebote-halten und bei all dem Wissen das wichtigste Gebot und das wichtigste Wissen nicht vergessen: die Liebe. Diese Liebe verletzt nicht, sondern versucht sein Bestes, beim Heilen zu helfen.
…
Abschließen möchten wir mit dem, was wir im letzten Artikel zu diesem Thema gesehen hatten, nämlich dass unser himmlischer Vater seine Kinder direkt selbst durch seine Wunder heilt (z.B. die er in ihren Herzen bewirkt), er aber auch seine Kinder durch seine Kinder heilt.
Damit Letzteres geschieht, müssen wir ihn in uns wirken und uns von innen heraus verändern lassen. Gleichzeitig müssen wir aber auch unseren Anteil dazu beitragen. Das bedeutet für unser Thema, dass wir uns für alles hier Behandelte immer mehr sensibilisieren müssen, damit wir die allgegenwärtigen Auswirkungen verletzter Herzen in unserem Leben immer besser erkennen können – einmal bei uns selbst und einmal bei unseren Nächsten.
Das wird uns dann dabei helfen,
dass wir uns immer weniger gegenseitig verletzen,
stattdessen in der Nächstenliebe wachsen
und uns auf diese Weise gegenseitig dabei helfen,
zu heilen!
V1.0
