Die zwei unterschiedlichen Formen des Zorns
Damit es bei diesem herausfordernden und auf den ersten Blick widersprüchlichen Thema zu keinen Missverständnissen kommt, müssen wir unbedingt zwei Begriffe etablieren. Der erste ist dieser hier:
Jak 1,19-20 Daher, meine geliebten Brüder, sei jeder Mensch schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Denn eines Mannes Zorn wirkt nicht Gottes Gerechtigkeit.
Der erste ist also der Zorn des Mannes bzw. der Zorn des Menschen. Der zweite Begriff ist dieser hier:
Röm 10,2 Denn ich gebe ihnen das Zeugnis, dass sie Eifer für Gott haben, aber nicht nach der rechten Erkenntnis.
Auf der einen Seite haben wir also den ”Zorn” (des Mannes bzw. eben des Menschen) und auf der anderen Seite haben wir den ”Eifer” (für Gott). Das Letztere ist gut, das Erstere schlecht, weil es eben nicht Gottes Gerechtigkeit wirkt.
Dazu direkt eine wichtige Anmerkung:
Leider ist es in der Heiligen Schrift so, dass weder das hebräische noch das griechische Wort für “Zorn” bzw. “Eifer” eine klare Unterscheidung zwischen den beiden aufzeigt. Das heißt, wir können nicht einfach nach den hebräischen bzw. griechischen Wörtern für “Zorn, zürnen, zornig” oder “Eifer, eifern, eifernd” usw. suchen und haben dann eine Liste mit einer klaren Trennung zwischen den beiden. Leider funktioniert das in diesem Fall nicht so, denn manchmal steht das Wort für “Zorn” in einem positiven, manchmal in einem negativen Kontext. Dasselbe gilt für den “Eifer”.
Damit wir aber gleich nicht durcheinanderkommen und eine klare Unterscheidung zwischen den beiden haben, werden wir ab jetzt, wenn es um einen negativen Kontext geht, das Wort “Zorn” (bzw. eben des Menschen Zorn, Zorn des Mannes usw.) nutzen; und wenn es um einen positiven Kontext geht, das Wort “Eifer” (bzw. Eifer für Gott, Eifer Gottes und dergleichen) nutzen.
Diese Unterscheidung ist nicht nur wichtig, um Missverständnisse auszuschließen, sondern es ist vor allem wichtig für unsere Selbstprüfung.
Was ist damit gemeint?
Der Fokus dieses Artikels ist keine biblische Wortstudie, sondern unsere Selbsterkenntnis. Diese soll uns zeigen, wo wir in unserem Alltag im “Zorn des Menschen” und wo im “Eifer Gottes” reagieren.
Dafür ist es eben zwingend nötig, dass es eine absolut unmissverständliche Unterscheidung zwischen den beiden gibt, damit die Gefahr des Selbstbetrugs bei der Selbstprüfung (die bei diesem Thema besonders groß ist) so gering wie möglich bleibt. Denn es kommt leider viel zu häufig vor, dass wir Menschen unseren Zorn verharmlosen, kaschieren, vertuschen oder im Zusammenhang des Glaubens sogar “zwangsheiligen”.
Was mit alledem gemeint ist, schauen wir uns jetzt genauer an …
