Bist du manchmal zornig?
Manchmal traurig?
Manchmal beides zugleich?

Die göttliche Mischung: Eifer mit Trauer

Bis hierher haben wir uns hauptsächlich auf den Unterschied zwischen Zorn und Eifer konzentriert und sind nur wenig auf die Trauer eingegangen. Das lag mitunter daran, dass wir noch nicht bei der soeben gestellten Kernfrage dieses Artikels angelangt waren: Wie helfe ich meinem Nächsten am besten? 

Diese Frage nach der bestmöglichen Hilfe hat erst einmal mit “Gebet” und dann natürlich auch mit “Weisheit und Erkenntnis” zu tun; d.h. es braucht die richtigen Worte zur richtigen Zeit, passend zur Person und Situation.
Es gibt aber nebst “Gebet und Weisheit” noch eine dritte enorm wichtige Sache, die bei der bestmöglichen Hilfe für unsere Nächsten wichtig ist: Uns. Und unser Innerstes.

Damit ist gemeint, dass unsere Worte eher das “Was” in der Gleichung sind, aber das “Wie” (wir etwas sagen) entspricht mehr dem, was in unserem Inneren ist. Daher ist das Zusammenspiel aus dem “Was” und dem “Wie” absolut entscheidend. Deswegen gilt in diesem Zusammenhang:

blankblankWenn du deinem Nächsten die bestmögliche Hilfe sein willst, ist nebst dem “Was” auch das “Wie” entscheidend – und für dieses “Wie” muss sich nicht dein Nächster, sondern DU dich verändern!

Denn nur in den aller seltensten Fällen kommt man weiter, wenn man genervt, laut oder eben im Zorn versucht zu helfen. Da kann man dann noch so sehr wollen, aber wenn das “Was” nicht von dem richtigen “Wie” begleitet wird, wird es enorm schwer. Dazu sind wir Menschen a) einfach viel zu emotional und b) fühlen wir uns viel zu schnell persönlich angegriffen. Da wird aus Hilfestellung schnell Kritik.
Wenn dann noch Stolz und Sturheit (sowohl bei uns als auch bei unserem Gegenüber) dazu kommen, dann ist es nicht nur schwer, sondern im Grunde unmöglich zu helfen. Da können selbst die wahrsten Worte der Wahrheit am Nächsten abprallen. Das ist dann aber eben nicht allein nur die Schuld des Empfängers, sondern eben auch die des Senders.

Zur Veranschaulichung dieses Dilemmas brauchen wir uns wieder nur unser Bibeldebatten-Beispiel vor Augen zu führen. Stellen wir uns dazu etwas genauer eine Diskussion über die Gültigkeit des Gesetzes vor. Wie schnell kann man da genervt oder gar zornig werden, sodass man sich am Ende vielleicht sogar streitet.

2Tim 2,24-25 Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern milde sein gegen jedermann, fähig zu lehren, geduldig im Ertragen von Bosheiten; er soll mit Sanftmut die Widerspenstigen zurechtweisen … 

1Petr 3,15 … Seid allezeit bereit zur Verantwortung gegenüber jedermann, der Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und zwar mit Sanftmut und Ehrerbietung.

Wir können hier erkennen, dass der Fokus von Paulus und Petrus nicht das “Was” ist, sondern das “Wie”: milde, geduldig, mit Sanftmut und Ehrerbietung, also mit Respekt.
Nun ist es aber bei biblischen Debatten (als auch bei vielen anderen zwischenmenschlichen Konflikten, die immer wieder nach Schema F ablaufen), teilweise schwer, milde, geduldig und sanftmütig zu sein, richtig?

Und genau da kommt die Trauer ins Spiel. Denn sie kann ganz genau das bewirken, was hier geschrieben steht: Trauer macht uns milde. Trauer macht uns geduldig und Trauer macht uns sanft. Quasi ganz von allein.

Warum?

Vor allem deswegen, weil in uns ein Fokuswechsel stattfindet.

Zur Veranschaulichung, was das genau bedeutet, bleiben wir erneut bei unserem Beispiel der Debatte rund um die Gültigkeit des Gesetzes. Dort bewirkt dieser Fokuswechsel, dass man sich nicht mehr über das immer wiederkehrende Muster in diesen Gesprächen aufregt, sondern man bleibt in der Ruhe, weil das Innerste im Herzen Trauer darüber empfindet, dass der Bruder oder die Schwester sich selbst den göttlichen Segen des Gesetzes verwehrt. Man ist traurig darüber, dass dieser wichtige Teil des Glaubens nicht beachtet wird. 

Ps 119,136 Wasserbäche fließen herab aus meinen Augen, weil sie dein Gesetz nicht beachten.

Wenn statt Zorn diese Form der Trauer in unseren Herzen ist, dann wird sich nicht nur das “Was” verändern, was aus unserem Munde kommt, sondern vor allem auch das “Wie”. Man wird ganz automatisch sanfter, milder, geduldiger und respektvoller mit dem Gegenüber umgehen – und in ihm nicht einen weiteren Gesetzesverächter sehen, sondern seinen Nächsten, der in Liebe Hilfe braucht (!)sogar auch dann, wenn er/sie wegen des eigenen Stolzes die Wahrheit nicht annehmen will:

Jer 13,17 Wenn ihr aber nicht hört, so wird meine Seele im Verborgenen weinen wegen eures Hochmuts. … 

Jetzt mag der eine oder andere vielleicht einwenden: “Ja, aber ist es nicht so, dass es auch Stellen gibt, die aufzeigen, wie sich Männer Gottes über die Sturheit und den Hochmut des Menschen ereifern?”

Natürlich gibt es die. Es kommt aber immer auf den Zusammenhang an. Hier bei unserer Betrachtung geht es in allererster Linie um eine einzelne Person, der wir ganz konkret helfen wollen. 

Bei dieser Hilfe sind Rechtfertigungen für das eigene Aufregen wenig dienlich. Daher werden hier nur diejenigen Geschwister angesprochen, die nicht Ausflüchte für ihren Zorn suchen, sondern sich – aus ihrem Eifer für Gott als auch aus dem Eifer für ihre Nächsten – ehrliche Gedanken darüber machen, wie sie nicht nur bei biblischen Debatten, sondern ganz generell Menschen bestmöglich helfen können. Bei egal was.

Und für diese Hilfe ist eben das “Wie” absolut entscheidend! Und für dieses “Wie” haben wir eben biblische Vorgaben bzw. göttliche Vorbilder gesehen, die traurig wurden. Sogar weinten.

So war es übrigens auch bei unserem größten Vorbild:

Lk 19,41-42 Und als Jesus näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie und sprach: Wenn doch auch du erkannt hättest, wenigstens noch an diesem deinem Tag, was zu deinem Frieden dient! 

Wenn du doch erkannt hättest, …– was für passende Worte für unser Thema hier. Denn am Ende geht es ja bei jeder Gott wohlgefälligen Hilfe genau darum:

blankblankDass unser Gegenüber etwas erkennt. Erkennt er/sie es aber nicht, soll das bei uns nicht zum Zorn, sondern eben zur Trauer führen! 

Das ist das, was uns die großen Männer der Bibel zeigen (die sicherlich – und das ist für unser Thema hier nicht gerade unwichtig – voller Eifer für Gott waren!!).
Sie wurden dennoch, oder genauer gesagt: gerade wegen ihres Eifers, traurig.

Das heißt in anderen Worten: Was am Ende auch immer der Grund dafür sein mag, warum jemand die Wahrheit nicht annimmt, sollte es bei uns nicht zum Zorn, sondern eben zur Trauer führen. Diese Trauer kann dann sogar so weit gehen, dass wir – wie unser Herr – über die mangelnde Erkenntnis nicht nur traurig werden, sondern sogar weinen!

Machen wir es ihnen nach, dann werden wir ganz automatisch (!) weniger streiten und weniger in des “Menschen Zorn” kommen, dafür umso mehr Milde und Geduld haben und mit Sanftmut und Respekt versuchen, unserem Nächsten zu helfen.

Man kann also sagen:

Das Herz des alten, gefallenen Menschen führt ihn zum Zorn,
das Herz des neuen zur Trauer.
Warum?
Weil der Eifer für Gott uns zu dem führt, wofür Gott selbst eifert:
Zur Hilfe seiner Kinder.