Gott wohlgefällige Trauer praktisch angewandt
Vorab wichtig:
Die Trauer, die wir hier behandeln, ist kein technisches Hilfsmittel, das man sich irgendwie einredet (so auf die Art: “Ich habe jetzt biblisch verstanden, dass Trauer wichtig ist, deswegen bin ich ab jetzt in Konfliktsituationen traurig, denn dann reagiere ich besser!”), nein, sondern es ist keine Form der Trauer, die aus unserem Verstand, sondern eine, die aus unseren Herzen kommt. Damit diese Trauer aber aus unseren Herzen kommen kann, muss sich unser Herz verändern – weg vom gefallenen, bösen und trügerischen Herzen (das sich aufregt) hin zum neuen Christus-ähnlichen Herzen, das sanft und milde ist.
2Kor 10,1 Ich selbst aber, Paulus, ermahne euch durch die Sanftmut und Milde des Christus, …
Durch diese Herzensveränderung hin zu Christus und hin zur Trauer wird dann ein positiver, ja, man könnte sagen: ”heiliger Kreislauf” in Gang gesetzt.
Denn wenn wir hinsichtlich gewisser Konfliktsituationen mehr in die Trauer als in den Zorn kommen, werden wir auch – quasi ganz von alleine – mehr und mehr im Geist, also mehr im Frieden, in Freude, Freundlichkeit, Langmut, Sanftmut und vor allem mehr in Selbstbeherrschung und Liebe handeln.
Versuchen wir dann in diesem Geist zu helfen, aber unser Gegenüber will diese Hilfe nicht, drückt sie weg, relativiert sie oder was auch immer, wird uns das – ebenfalls ganz automatisch – umso trauriger und nicht (!) umso wütender machen!
Diese Trauer wiederum wird uns in unseren Gebeten, aber auch bei unserem nächsten Gespräch mit dieser Person helfen, erneut im Frieden, in Langmut, Sanftmut, Selbstbeherrschung und in der Liebe zu bleiben.
Es ist wie gesagt ein Fokuswechsel, der im Herzen beginnt und einen ganz automatisch (!) dazu bringt, viel weniger genervt oder zornig zu werden, dafür umso mehr traurig zu sein, weil man im Grunde ja nur helfen will.
Stelle dir dazu einfach mal ein paar alltägliche Situationen vor bzw. blicke auf welche zurück, wo du innerlich aufgewühlt, jemandem bei einem wichtigen Punkt helfen wolltest, dieser aber deine Hilfe wiederholte Male nicht angenommen hat. Blicke nun dabei auf dein Inneres zurück, also prüfe, was während dieser Situation (und wahrscheinlich auch schon vorher) in deinem Herzen los war.

Warst du in der Geduld, Sanftmut und Milde Christi oder warst du eher genervt und in der Anklage, Härte, Ungeduld und im Zorn des Fleisches, weil es schon so oft nicht geklappt hat?
Beantworte dir die Frage, und stelle dir dann dieselbe Situation vor, wie sie vielleicht verlaufen wäre, wenn du mehr in der Gott wohlgefälligen Trauer gewesen wärst. Erst recht, wenn es ein Konflikt ist, den du immer wieder erlebt hast.
Jetzt wird der eine oder andere an dieser Stelle vielleicht einwenden: “Ja, aber wie lange soll so etwas gehen? Irgendwann platzt doch der Geduldsfaden und dann ist nichts mehr mit Trauer?!”
Schauen wir uns dazu mal Paulus an:
Apg 20,31 … denkt daran, dass ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht aufgehört habe, jeden Einzelnen unter Tränen zu ermahnen.
Drei Jahre lang. Tag und Nacht. Jeden Einzelnen ermahnt. Unter Tränen!
… (Denkpause) …
Eine Bitte:
Wenn du etwas aus diesem Artikel mitnehmen willst, dann diese, nennen wir sie, Herzensveränderungsübung: Stelle dir ab jetzt immer wieder aufs Neue in deinen Hilfsbemühungen die Frage, wie dieselbe Situation in der Sanftmut und Milde Christi verlaufen wäre und ob es dir – aber vor allem deinem Nächsten (!) – geholfen hätte, wenn du anstatt zornig, traurig gewesen wärst?
Sollten die Antworten darauf dir immer mehr den Segen in dieser Herzensveränderung aufzeigen, dann nimm das Ganze mit in deine Gebete auf und bitte unseren himmlischen Vater darum, dass er dein Herz verändert – weg vom Zorn hin zur Trauer!
Wichtig dabei ist, dass jetzt die Trauer nicht irgendwie als eine Universallösung oder als Garant dafür gesehen wird, dass unsere Hilfe immer bei unserem Nächsten ankommt. Leider ist das nicht so. Aber unsere Trauer wird uns dabei helfen, nebst dem zuvor erwähnten richtigen “Was” (wir sagen), immer mehr auch das richtige “Wie” zu finden. Dadurch werden wir dann eben viel weniger in Ungeduld, ungesunder Härte, Anklage oder im Zorn handeln, sondern vielmehr in Geduld, Milde, Respekt, Annahme, Sanftmut und vor allem Liebe helfen.

Und genau das ist ja der Punkt, um den es uns hier geht: Was können WIR als unser Bestmöglichstes tun,
um unseren Nächsten helfen zu können?
…
Abschließend:
Denke bei diesem ganzen Thema auch an dich selbst und wie Gott sein Bestes getan hat, um dir zu helfen. Wie lange er Geduld mit dir hatte. Wie lange er es mit dir versucht hat. Wie lange er traurig darüber war, dass du nicht auf ihn gehört hast.
Führe dir das alles vor Augen und prüfe dich … deine gutgemeinten Hilfestellungen … und deine Liebe zu deinem Nächsten daran!
Denn …
1Kor 13,7 Die Liebe erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles.
Und ganz genau so muss es auch bei uns sein. Denn wenn …
1Kor 13,2-3 Wenn ich Weissagung hätte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis, und wenn ich allen Glauben besäße, sodass ich Berge versetzte, aber keine Liebe hätte, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe austeilte und meinen Leib hingäbe, damit ich verbrannt würde, aber keine Liebe hätte, so nützte es mir nichts!
V1.0
