Das Verhaltensmuster “in groß” und “in klein”
Was wir damit meinen, ist das, was wir soeben angeschnitten haben: Die Parallele zwischen dem Evangelium und dem Eingestehen unserer alltäglichen Fehler. Soll heißen, dass das Muster ungefähr so aussieht:
| “in groß” | “in klein” |
| 1. Sünde: Man erkennt seine Schuld. | Man erkennt seinen Fehler. |
| 2. Einsicht: Man steht zu seiner Schuld und schiebt sie nicht von sich weg. | Man steht dazu und schiebt es nicht von sich weg. |
| 3. Buße: Man bittet um Vergebung. | Man entschuldigt sich. |
| 4. Taufe: Die Schuld wird bereinigt. | Man bereinigt das Ganze. |
Warum ist diese Parallele wichtig?
Dazu kurz die Aussage aus der Einleitung noch einmal:
Die Grundlage des Evangeliums ist das Zugeben der eigenen Schuld:
“Ich war schwach und habe Fehler gemacht. Große. Ich habe gegen Mensch und Gott gesündigt. Bitte vergib mir!”
Das ist, sagen wir mal, das klassische Schuldbekenntnis. Es hat, wenn es aus dem Herzen kommt, große Kraft. Aber wie es eine noch viel größere Kraft haben würde, ist, wenn man es so formuliert (und es dann natürlich auch wirklich so meint!):
“Ich habe Fehler gemacht. Große. Ich habe gegen Mensch und Gott gesündigt. Ich bin schwach und brauche deine Hilfe und Kraft, um mich, mein schwaches Fleisch und meine gefallene Natur zu überwinden. Bitte vergib mir und hilf mir, mich zu verändern!”
Wo liegt der Unterschied?
Er liegt vor allem darin, dass das eine wie abgeschlossen wirkt (“Ich war schwach und habe gesündigt!”) und das andere einen Ist-Zustand beschreibt (“Ich bin schwach und brauche Hilfe!”).
Wichtig bei diesem Unterschied ist, dass einem durch Gottes Gnade vergeben wird. Das dürfen und sollen wir sofort annehmen, glauben und daran festhalten. Was aber nicht sofort geschieht, ist, dass auf einmal unsere gefallene Natur verschwunden ist und wir nicht mehr mit unserem schwachen Fleisch zu kämpfen haben. Das ist Unsinn. Und diesen Unsinn versucht v.a. das sog. Wohlfühl-Evangelium der Neuzeit einem zu verkaufen, indem Leuten eingeredet wird, dass, wenn sie Jesus in ihr Herz lassen, alles gut ist; u.a., weil Gott ja Liebe ist und er einen so liebt, wie man ist.
Ja, Gott liebt dich zwar, das heißt aber nicht, dass wir so bleiben sollen, wie wir sind. Nein, wir sollen uns natürlich verändern und zwar so grundlegend, dass wir seinem Sohn immer ähnlicher werden. Und dafür müssen wir uns wiederum nicht nur ein wenig, sondern extrem stark verändern, denn …
Röm 7,18 Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; das Wollen ist zwar bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten gelingt mir nicht.
Im Zusammenhang dieses Verses könnte man passend zu unserem Thema hier auch sagen:
Bei sicherlich jedem von uns ist zwar das Wollen, zu seinen Fehlern zu stehen und sie zuzugeben, vorhanden, aber das Vollbringen dessen gelingt oft nicht.
Warum?
