Das spannungsfreie Umfeld: Die gesunde Gemeinschaft
Diesen letzten Block wollen wir mit einer Behauptung beginnen:
Wenn es in einer Gemeinschaft völlig normal und selbstverständlich wäre, dass man zu seinen persönlichen Baustellen, Fehlern und Schwächen steht, dann würde vieles, vieles friedlicher und liebevoller ablaufen. Und man würde sowohl persönlich als auch als Gemeinschaft schneller wachsen – nicht an Anzahl, sondern an Charakter und an einem Gott wohlgefälligen Leben.
Warum?
Vor allem darum, weil man dann viel leichter das machen könnte, was für jede Gemeinschaft extrem wichtig ist und was wir im Laufe dieser Serie schon mehrfach gesehen hatten: Offen miteinander reden wirkt Wunder.
Denn oft ist es ja so, dass man aus Scheu, Unlust, teilweise auch aus Angst, wie der andere reagieren wird, nicht über diese sog. Fehler, Schwächen und Baustellen redet. Eben weil so gut wie niemand gesund und ganz natürlich mit den eigenen Baustellen umgeht und es daher dann immer wieder dazu kommt, dass solche Gespräche unangenehm, zäh oder gar hitzig verlaufen. Auf so ein Gespräch hat logischerweise niemand Lust und daher versucht man dann, dem Ganzen aus dem Weg zu gehen.
Das Problem endet da aber nicht, denn meist passiert ja dann noch Folgendes:
Man frisst das alles in sich hinein, mit der Zeit stören einen die Dinge immer mehr, das Genervtsein nimmt zu und dann irgendwann kommt aus der Fülle des Herzens das hervor, was wir im zweiten Teil als die am häufigste vorkommende und gleichzeitig als die mit größte Gefahr in Gemeinschaften bezeichnet haben. Jakobus beschreibt sie als “das unbändige Übel voll tödlichen Gifts”: unsere Zunge. Die dann in solchen Situationen alles andere als in Sanftmut und Liebe redet.
Kommt dir das irgendwie bekannt vor?
Stelle dir einfach mal ein paar Situationen aus eurer Gemeinschaft vor: Wie oft war dabei die Zunge unkontrolliert: die eigene als auch die des Gesprächspartner? Wie oft kam es vor, dass einen dieses oder jenes genervt hat, man es aber nicht angesprochen hat? Wie oft kam es vor, dass man etwas in sich hineingefressen hat? Wie oft, dass man nicht direkt mit der Person, sondern mit anderen darüber geredet hat? Oder auch: Wie oft kam es vor, dass es einen genervt hat, dass andere einfach nicht zu ihren Fehlern stehen und man daher nicht vernünftig über diese oder jene Situation reden konnte?
Und jetzt stelle dir vor, wie friedlich und im wahrsten Sinne des Wortes “befreiend” es wäre, wenn man über alle diese Dinge einfach ganz normal miteinander reden könnte. Als ob es das Normalste der Welt wäre. Wie schön es wäre, wenn jeder in der Gemeinschaft zielorientiert an seinen Baustellen arbeiten würde. Wie schön eine Atmosphäre der gegenseitigen Erbauung und Ermahnung wäre, bei der man weiß, dass niemand einen verletzen will, sondern dass es allen nur um eine einzige Sache geht:

Uns zu verändern,
um (!) unserem Gott besser dienen zu können.
Wenn wir aber dieses Ziel nicht gemeinsam verfolgen, wenn wir uns gegenseitig bei unseren Baustellen nicht helfen und uns nicht darauf ansprechen, stattdessen aber unserer Zunge freien Lauf lassen, dann werden wir unserem Gott auch nicht “besser dienen können”, sondern das Gegenteil wird passieren:
Jak 1,26 Wenn jemand meint, er diene Gott, und zügelt seine Zunge nicht, dessen Herz betrügt ihn und sein Gottesdienst ist wertlos.
Damit das ja nicht passiert, müssen wir alle an einem Strang ziehen, aufeinander achthaben und uns gegenseitig anspornen – nicht zu Lästereien, nicht zu hitzigen Gesprächen, nicht zum Suchen von Ausreden, sondern lasst …
Hebr 10,24 Lasst uns aufeinander achtgeben, damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken.
Wie können wir uns – bei unserem Thema hier – zu guten Werken anspornen? Was wäre ein gutes Werk in diesem Zusammenhang?
Indem wir zum Beispiel als Vorbild vorangehen und zu unseren Fehlern, Schwächen und Baustellen stehen, ohne drumrumzureden, ohne nach Ausreden und Abschwächungen zu suchen, ohne sofort in Verteidigungsstellung zu gehen und erst recht, ohne die Schuld auf andere zu schieben. Sondern das Gegenteil sollte bei uns passieren: Einfach ganz natürlich zum Fehler stehen. Ohne wenn und aber! Einfach nur: “Ja, hast recht. Mein Fehler. Ich werde dran arbeiten. Gerne kannst du mir dabei helfen und mit mir dafür beten!”
Stellt euch auch hierzu vor, wie es wäre, wenn wir das alle so handhaben würden. Und das nicht nur einmal, sondern immer wieder. Wie es wäre, wenn unser Gegenüber ein unangenehmes Gespräch erwartet, dann aber merkt, dass man gar nicht so reagiert, wie man es befürchtet hatte und das Gespräch total friedlich und gesegnet abläuft.
Warum würde so ein Gespräch dann überraschend ablaufen? Weil man eben ganz natürlich mit den eigenen Schwächen umgeht und so ein Gespräch nicht, wie in der Welt normal, in einer Diskussion und Unfrieden enden würde.
Laufen solche Gespräche dann immer mehr auf diese Weise ab, wird es auf andere überschwappen, sprich unsere Geschwister werden dadurch zu guten Werken angespornt werden und ganz automatisch unserem Beispiel folgen.
Wenn das dann immer mehr Geschwister tun, 
hat man irgendwann ein gesundes Umfeld für derartige Gespräche – eben eine gesunde Gemeinschaft – geschaffen, in der es völlig normal ist,
natürlich mit seinen Fehlern umzugehen.
Haltet dazu kurz inne und stellt euch eure eigene Gemeinschaft vor, wie sie das genau auf diese Weise lebt!
…
Es ist natürlich so, dass das, was auf dem Papier klar und logisch erscheint, in der Realität herausfordernder sein kann. Denn all das benötigt natürlich eine große Menge gegenseitiges Vertrauen, das erst wachsen muss, jede Menge Geduld, verständnisvolle Annahme und viel, viel geschwisterliche Liebe.
Um das zu erreichen, muss die Gemeinschaft so etwas wie unser “geschützter Raum” werden, in dem wir unter uns über unsere persönlichen Baustellen reden können, sie gemeinsam angehen und uns dann auch gemeinsam verändern können.
Natürlich muss hierfür nicht jeder alles über jeden wissen. Darum geht es nicht. Es geht um ein gesundes, “familiäres” Umfeld, wo wir uns nicht verstellen müssen, wo wir uns nicht schämen müssen (!), wo wir ganz natürlich zu unseren Fehlern stehen und gemeinsam daran arbeiten können, so wie es sich unser himmlischer Vater von seinen Kindern wünscht. Respektvoll. Verständnisvoll. Liebevoll.
Hierfür müssen wir aber eben alle an einem Strang ziehen, an diesem Vorhaben gemeinsam festhalten und (!) wir müssen dem Ganzen eine Dringlichkeit geben.
Denn ohne diese Dringlichkeit könnte es passieren, dass man hier alles abnickt, aber am Ende sich dann doch nicht allzu viel verändert – entweder, weil man es erst gar nicht richtig versucht oder weil das Vorhaben nur anfänglich Feuer fängt, es dann aber schnell erlischt, weil man nicht dranbleibt. Damit das nicht passiert, müssen wir dem Ganzen eine Dringlichkeit geben und dann auch dranbleiben. Gemeinschaftlich!
Das gilt nicht nur für unser Thema hier mit dem “Fehler Zugeben”, sondern auch für viele der anderen Themen, die wir im Laufe dieser Serie hatten:
- Sei es für die Wichtigkeit der Selbsterkenntnis.
- Sei es für das Ausstrecken nach mehr charakterlicher und geistlicher Reife.
- Sei es für das Thema Ordnung.
- Sei es für den Umgang mit den Gefahren, vor denen wir in der Heiligen Schrift gewarnt werden, vor allem vor unserer losen Zunge.
- Sei es für alles, was wir in den Teilen für die Singles, die Brüder oder für die Ehepaare im Speziellen hatten.
- Sei es für das Angehen unserer Fleisch-Geist-Kämpfe.
- Sei es für die Selbstverständlichkeit, uns zu lieben und einander zu dienen.
- Als natürlich auch für die Dringlichkeit, die wir dem Gebet unseres Herrn, “eins zu sein”, geben!
Alle diese und andere Dinge funktionieren nur mit der nötigen Dringlichkeit. Hören, verstehen, abnicken und dann doch nicht wirklich danach handeln, hilft nicht. Das ist mit das größte Problem, das wir alle haben.
Denn oft mangelt es uns nicht an Wissen,
sondern an Umsetzung.
So natürlich auch bei unserem Thema hier. Jeder von uns weiß, dass es das Beste wäre, wenn wir zu unseren Fehlern stehen würden und es nicht so machen, wie es die Welt macht, indem wir alles abschwächen, uns rausreden, auf andere schieben und dergleichen. Aber wie sieht die Realität aus? Warum ist es so, dass das, wie es bei uns als Kinder Gottes sein sollte, sich oft von dem unterscheidet, wie es geschrieben steht? Oder teilweise sogar schlimmer: Dass Menschen “aus der Welt” uns gewisse Dinge richtig vormachen, wir es aber nicht schaffen?
Oft lautet die Antwort, dass es nicht an Wissen, sondern eben an Dringlichkeit mangelt. Denn selbst wenn es einen Punkt gibt, wo wir wirklich (sagen wir verallgemeinert) zu schwach dafür sind, um ihn zu ändern, können wir uns immer noch selbst prüfen und uns die Frage stellen: “Ja, selbst wenn ich zu schwach dafür bin und den entsprechenden Punkt nicht umgesetzt bekomme, bete ich wenigstens dafür? Inbrünstig? Faste ich dafür?”
Lautet die Antwort: “Nein”, liegt es nicht unbedingt an Schwäche, sondern eben an Dringlichkeit!

Damit das bei uns Kindern Gottes nicht geschieht, werden wir ermahnt!
Und die Stelle, wo wir diese Ermahnung lesen können, fasst gleichzeitig – “ganz zufällig” – nahezu alle Punkte dieser Serie zusammen. Man könnte gefühlt jedes zweite Wort hervorheben, weil es so extrem gut passt.
Daher wollen wir auch die gesamte Serie mit dieser einen Stelle abschließen und wünschen euch und eurer Gemeinschaft, Gottes reiche Gnade, Wahrheit und Liebe! Möget ihr der Berufung würdig wandeln, zu der ihr berufen worden seid!
Epheser 4
So ermahne ich euch nun, ich, der Gebundene im Herrn, dass ihr der Berufung würdig wandelt, zu der ihr berufen worden seid, indem ihr mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut einander in Liebe ertragt und eifrig bemüht seid, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens: Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, über allen und durch alle und in euch allen. Jedem Einzelnen von uns aber ist die Gnade gegeben nach dem Maß der Gabe des Christus. … Und Er hat etliche als Apostel eingesetzt, etliche als Propheten, etliche als Evangelisten, etliche als Hirten und Lehrer, zur Zurüstung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes des Christus, bis wir alle zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zur vollkommenen Mannesreife, zum Maß der vollen Größe des Christus; damit wir nicht mehr Unmündige seien, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch das betrügerische Spiel der Menschen, durch die Schlauheit, mit der sie zum Irrtum verführen, sondern, wahrhaftig in der Liebe, heranwachsen in allen Stücken zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus. Von ihm aus vollbringt der ganze Leib, zusammengefügt und verbunden durch alle Gelenke, die einander Handreichung tun nach dem Maß der Leistungsfähigkeit jedes einzelnen Gliedes, das Wachstum des Leibes zur Auferbauung seiner selbst in Liebe. Das sage und bezeuge ich nun im Herrn, dass ihr nicht mehr so wandeln sollt, wie die übrigen Heiden wandeln in der Nichtigkeit ihres Sinnes, deren Verstand verfinstert ist und die entfremdet sind dem Leben Gottes … Ihr aber habt Christus nicht so kennengelernt; wenn ihr wirklich auf Ihn gehört habt und in ihm gelehrt worden seid — wie es auch Wahrheit ist in Jesus —, dass ihr, was den früheren Wandel betrifft, den alten Menschen abgelegt habt, der sich wegen der betrügerischen Begierden verderbte, dagegen erneuert werdet im Geist eurer Gesinnung und den neuen Menschen angezogen habt, der Gott entsprechend geschaffen ist in wahrhafter Gerechtigkeit und Heiligkeit. Darum legt die Lüge ab und »redet die Wahrheit, jeder mit seinem Nächsten«, denn wir sind untereinander Glieder. Zürnt ihr, so sündigt nicht; die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn! Gebt auch nicht Raum dem Teufel! … Kein schlechtes Wort soll aus eurem Mund kommen, sondern was gut ist zur Erbauung, wo es nötig ist, damit es den Hörern Gnade bringe. Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt worden seid für den Tag der Erlösung! Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch weggetan samt aller Bosheit. Seid aber gegeneinander freundlich und barmherzig und vergebt einander, gleichwie auch Gott euch vergeben hat in Christus.
Auch wenn wir gesagt haben, dass wir mit dieser Stelle abschließen, kann der wahre Abschluss der Serie nur das Gebet unseres Erretters sein:
Joh 17,20-23 Ich bitte aber nicht für diese allein, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben werden, auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; auf dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, ihnen gegeben, auf dass sie eins seien, gleichwie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie zu vollendeter Einheit gelangen, damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, gleichwie du mich liebst.
Amen.
V1.0
