Warum fällt uns das allen nur so schwer?

Das breite Verhaltensspektrum im ungesunden Spannungsfeld

Diese kryptisch klingende Überschrift sagt im Grunde nichts anderes aus, als dass der Grund, warum man schwer Fehler zugeben kann, sich zwischen zwei Extremen bewegt, die beide ungesund sind:

Geringer Selbstwert und großer Stolz

Das Paradoxe ist, dass diese beiden beim Thema: “Nur schwer Fehler zugeben zu können” nicht unbedingt Gegensätze sind.

Damit ist gemeint:
Es gibt Menschen, die einen geringen Selbstwert, genauer ein geringes Selbstwertgefühl haben und nicht stolz sind. Dann wiederum gibt es Menschen, die stolz sind und ein hohes Selbstwertgefühl haben. Es gibt aber auch nicht wenige Menschen, die zwar ein geringes Selbstwertgefühl haben, aber gleichzeitig dennoch auch stolz sind.

Dazu direkt eine kleine Anmerkung, um Missverständnisse zu vermeiden:
Wenn wir über “stolze Menschen” sprechen, kann es im deutschen Sprachgebrauch dazu kommen, dass man unterschiedliche Formen von “Stolz” meint. Daher kurz die Unterschiede zwischen den in diesem Zusammenhang am meisten (wie Synonyme) genutzten Wörtern:

  • Arroganz ist am ehesten das herablassende Verhalten gegenüber anderen und sich besser/erhabener zu fühlen als andere.
  • Hochmut ist v.a., wenn man prahlt, sich selbst überschätzt
  • Überheblichkeit ist so etwas wie eine Mischung aus Arroganz und Hochmut.
  • Stolz wiederum kann zum einen sein, dass man z.B. stolz auf etwas ist, was man geschafft hat. Das ist aber weniger der Stolz, um den es hier geht, sondern es geht vielmehr um denjenigen Stolz, der es einem erschwert, sich die eigene Fehlbarkeit einzugestehen.

Diese Form des Stolzes kann sehr wohl – ohne Widerspruch – mit einem geringen Selbstwertgefühl einhergehen.

Wie?

Indem man das sowieso schon schlechte Bild, das man von sich selbst hat, un/bewusst beschützt, indem man eben nicht zu seinen Fehlern, Schwächen und Baustellen steht. Denn diese würden das sowieso schon geringe Selbstwertgefühl ja nur noch mehr verschlechtern. Und das will man eben un/bewusst verhindern. 

Das Paradoxe dabei ist, dass ein Mensch, der ein sehr geringes Selbstwertgefühl hat, durchaus Dinge sagt, wie z.B.: “Ich kann nichts. Ich bin nichts. Ich mache alles falsch.”, aber dann, wenn es um einen ganz konkreten Fehler geht, es nicht über die Lippen bzw. genauer: nicht über das niedergeschlagene, verletzte Herz bringt, den begangenen Fehler zuzugeben.

Wenn wir uns nun passend dazu das ungesunde Spannungsfeld vorstellen, wo links der geringe Selbstwert steht und rechts der große Stolz, dann befindet sich so eine Person, die ihren Fehler wegen ihres sehr geringen Selbstwerts nicht zugeben will, ganz links. Ganz rechts befindet sich der Mensch, der aus nichts anderem als aus purem Stolz seine Fehler nicht eingestehen will.

Alle anderen Möglichkeiten, nicht zu seinen Fehlern zu stehen, befinden sich dazwischen und haben stets eine Mischung aus beiden. Mal mehr Stolz, mal mehr Probleme mit dem Selbstwertgefühl.

Was zusätzlich gilt, ist: Wenn zu den Situationen, in denen man Fehler gemacht hat, z.B. noch starke Emotionen, getriggerte Erinnerungen oder zu erwartende schwere Konsequenzen dazu kommen, dann wird das Zugeben – logischerweise – um ein Vielfaches schwieriger.

Das für unseren Fall Schlimme ist, dass alle diese Dinge in einer Gemeinschaft für einige nur noch schlimmer werden. Denn dann geht es bei einem Fehler nicht nur um das, wie man sich selbst und wie andere einen sehen, sondern durch den Glauben bekommt all das quasi eine heilige Tragweite, u.a. dadurch, dass man sich zum Beispiel Gedanken macht, wie Gott darüber denkt. Damit können einige (v.a. diejenigen unserer Geschwister, die ein geringes Selbstwertgefühl haben) nur sehr schwer umgehen. Erst recht, wenn man das eigene Selbstbild, aber vor allem das Bild, das andere von einem haben sollen, unbedingt aufrechterhalten will. Wenn dann das zu bröckeln beginnt, wird eine Gemeinschaft schnell zu einer Umgebung des Drucks und der vermeintlichen Bewertung anderer. Wenn das Ganze dann so weit geht, dass man sich vor “diesem oder jenem” schämt, dann passiert meist das, was im Garten passiert ist: Man versucht sich zu verstecken, d.h. man versucht, der Gemeinschaft aus dem Weg zu gehen. Und genau deswegen ist es so, dass das sowieso schon große Problem, Fehler nicht zugeben zu können, für einige in Gemeinschaften um ein Vielfaches größer wird. Leider.

Aber es gibt Lösungen dafür. Gott sei Dank.

Ehe wir zu diesen kommen, noch kurz …