Wann ist etwas, was wir sagen,“böse Zunge”?
(Kontrolle der Gefühle -> Kontrolle der Zunge)

Praxis: Wie aus der Fülle des Herzens der Mund redet

Hier wollten wir zuerst die am häufigsten auftretenden Situationen aufgreifen, in denen die Zunge böse redet. Im Kontext von Gemeinschaften sind das meist:
andere Ansichten im Glauben, sich ungerecht behandelt fühlen, Neid, Aussagen wie: “Hast du gehört, was der- oder diejenige getan hat?”, Macken, die einen bei anderen stören, sich von jemandem genervt fühlen und dergleichen.

Jedoch ist es viel sinniger, sich anstatt die unterschiedlichsten Gesprächssituationen vorzustellen, sich selbst einfache, schon fast naive Selbstprüfungsfragen zu stellen, um so aus der Komplexität von zwischenmenschlichen Situationen quasi “herauszuzoomen” und sich auf das wirklich Wichtige zu konzentrieren:

blankWie sieht es in meinem Herzen
gegenüber Person XY aus?

Praktisch angewandt bedeutet das:
Habe ich zu einer Person oder meist in der Abwesenheit einer Person etwas gesagt, dann kann und sollte ich mich im Nachhinein prüfen, indem ich in mein Herz horche und die zuvor genannten Fragen durchgehe:

“Was denke ich aktuell von Person XY? Was für Gefühle habe ich ihr/ihm gegenüber? Fühle ich mich durch die Person beurteilt, angegriffen, ungerecht behandelt oder dergleichen? Oder bin ich genervt von ihr?”

Sollte sich durch diese Selbstprüfungsfragen herausstellen, dass ich gegenüber der entsprechenden Person Gutes, aber auch Schlechtes in mir trage, dann kann und sollte ich ganz konkret das Gesagte im Lichte meines Herzens prüfen.

Ein kleines Beispiel dazu:
Man ist von jemandem, den man eigentlich wirklich gern hat, immer wieder mal genervt. Man prüft, woran das liegt und findet heraus, dass es die Macke ist, dass diejenige Person häufig sehr laut spricht. Da das immer wieder passiert, steigt der Genervtsein-Pegel. Dadurch wiederum wird die Liebe im Herzen, die man eigentlich gegenüber dieser Person hat, sagen wir mal, “gekontert”. Man könnte auch sagen: Das Genervtsein bekämpft die Liebe in uns … und gewinnt leider immer wieder mal.

Redet man dann in diesem Zustand mit einer anderen Person über diese Macke, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, sehr hoch, dass sich unsere Zunge verselbstständigen wird und die “böse Zunge” zum Vorschein kommt.

Wichtige Anmerkung an dieser Stelle, weil das oft missverstanden wird:
Dieses kleine Beispiel verdeutlicht, dass es bei der bösen Zunge nicht darum geht, ob das Gesagte wahr ist oder nicht, sondern mit welcher Gesinnung man das sagt, was man sagt!

Viele verwechseln das und denken, wenn man die Wahrheit über Person XY mit einer anderen bespricht, dass das grundsätzlich keine “böse Zunge” sein kann. Das ist ein Irrtum. Wie gesagt: Es kommt darauf an, was im Herzen ist.

Oder in anderen Worten und mehr dem heutigen Sprachgebrauch angepasst ausgedrückt:

blankblankLästern bedeutet nicht, Unwahres zu sagen.
Das wäre Verleumdung.
Lästern bedeutet, die Wahrheit zu sagen,
aber mit einer nicht so reinen Herzenshaltung
(wie z.B. mit Anklage, Vorwurf, aus Enttäuschung, Genervtsein usw.).

… 

Zurück zu unserem kleinen Beispiel, aus dessen Umkehrschluss wir viel mitnehmen können.
Denn wenn wir zum Beispiel keinerlei Problem damit haben, dass eine Person immer wieder laut spricht und unsere Liebe zu ihr weiterhin im Vordergrund steht, dann ist auch die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir erst gar nicht mit anderen in einem negativen Kontext darüber reden werden. 

Warum?

Weil uns die Macke nicht stört und daher – ganz wichtig (!) – findet etwas Negatives in unseren Herzen keinen Raum. Und wenn auch hier gilt, dass aus der Fülle des Herzens unser Mund redet, dann wird unser Mund nichts dazu sagen, weil nichts dergleichen unser Herz gefüllt hat.

Höchstens werden wir die Person direkt darauf ansprechen und in Liebe und Sanftmut darauf aufmerksam machen, weil es nicht uns, aber vielleicht andere stört. Und sollten wir mit anderen über die Macke reden, dann auch nur deswegen, damit unser Gesprächspartner der betroffenen Person hilft, indem sie mit ein Auge auf seine/ihre Macke hat.

Dieses kleine Beispiel hilft auch zur Veranschaulichung dessen, was wir zuvor mit dem generellen Gemütszustand hatten. Denn wenn man vielleicht aktuell grundsätzlich nicht gut drauf und oft genervt ist, ist das Herz “bereits voll” und wenn dann nur eine Kleinigkeit dazu kommt (wie in diesem Fall das laute Sprechen), dann kann diese Kleinigkeit schon genügen, dass aus der Fülle des Herzens der Mund redet.

Die Summe des Ganzen hier ist also:
Je weniger mich etwas nervt, bedrückt, angreift oder dergleichen,
desto weniger Raum nimmt es in meinem Herzen ein
und desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich darüber böse rede.

Je mehr mich etwas nervt, bedrückt, angreift oder dergleichen,
desto mehr Raum nimmt es in meinem Herzen
und desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich darüber böse rede.

Dasselbe gilt natürlich auch, wenn unser Herz voll von guten Dingen ist, wie z.B. Freude, Friede, Barmherzigkeit, Güte, Sanftmut und natürlich Liebe gegenüber unseren Nächsten. Denn dann würde unsere Zunge ganz automatisch nur Gutes über andere reden. Denn – wir hatten es jetzt schon mehrfach – auch hier gilt: Aus der Fülle des Herzens redet der Mund.

Daher … 

Kol 3,12-15 Zieht nun an, als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Sanftmut, Langmut, einander ertragend und euch gegenseitig vergebend, wenn einer Klage hat gegen den anderen; wie auch der Christus euch vergeben hat, so auch ihr. Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist. Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen …